Nicht gefährdet genug?

Laternenumzüge müssen ohne Polizei stattfinden

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LÜDENSCHEID - 57 Schulen, Kindergärten und Vereine haben Laternenumzüge zu St. Martin angemeldet. Doch die Hoffnungen der Veranstalter auf Unterstützung durch Polizeikräfte haben einen herben Dämpfer bekommen. Nach einem Erlass des NRW-Innenministeriums schränken die Freunde und Helfer den Schutz der kleinen Laternenträger erstmals drastisch ein.

Von Olaf Moos

Beispiel Grundschule Tinsberg: 200 bis 250 Kinder und erwachsene Begleiter werden sich am Donnerstag zum traditionellen Umzug durch den Stadtteil versammeln – und zum ersten Mal ohne Begleitung von Polizisten durch die Straßen streifen.

Die Organisatorin, Lehrerin Tadi Ortolf, hat nach eigenen Angaben am Montag einen Brief bekommen – einerseits mit der Absage der Polizei, andererseits mit einem Katalog von Maßnahmen, die laut Behörde zur Sicherheit der Teilnehmer erfüllt sein müssen – etwa Warnwesten für Begleiter oder spezielle Beleuchtung für einn Fahrzeug am Ende des Laternenzuges.

Der Chef der Polizeidirektion Verkehr, Bernd Scholz, begründet den weitgehenden Rückzug seiner Leute von Laternenumzügen unter anderem mit personellen Notwendigkeiten. „Wo es für uns möglich ist und vor allem, wo wegen der Verkehrssituation Gefahr im Verzug ist, sind wir natürlich dabei“, sagt Scholz.

Aber nach dem tödlichen Unglück beim Mendener Schützenfest oder auch nach der folgenschweren Massenpanik bei der Love-Parade in Duisburg fordere der Innenminister, „mehr auf Zuständigkeiten zu achten“. Und zuständig für Laternenumzüge sei nun einmal die Straßenverkehrsbehörde. Chef der Straßenverkehrsbehörde ist übrigens Landrat Thomas Gemke, der gleichzeitig auch Chef der Kreispolizeibehörde ist.

Ein wichtiges Kriterium für eine Absage der Polizei ist nach Scholz’ Worten die „Gefährlichkeit des Weges“, den Laternenkinder zurücklegen wollen. Lehrerin Tadi Ortolf dazu: „Aha, wir sind also nicht gefährdet genug.“ Um die Gefahren für die Kinder zu reduzieren, sollen eventuell Umwege eingeplant und nur noch Bürgersteige benutzt werden. Auch hier kritisiert die Lehrerin: „Die Richardstraße hat überhaupt keinen Gehweg.“ Außerdem fehle jetzt vor Ort die Autorität der Polizei, um beispielsweise ungeduldige Autofahrer im Zaum zu halten.

Die Antwort auf die Frage, wie viele von den 57 angemeldeten Laternenzügen polizeilichen Begleitschutz erhalten, wirft ein Licht auf die Personalstärke der Polizei: kein einziger.

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