Politik-Verlosung

Laternen-Lotto in Lüdenscheid: Glücksfee zieht für die Parteien aus 598 die passende Leuchte

520-mal muss Petra Hüttemeister in die Losschale greifen. Die Ergebnisse notiert Ilayda Latifaj unter den Augen von Fachdienstleiter Dieter Rotter.
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520-mal muss Petra Hüttemeister in die Losschale greifen. Die Ergebnisse notiert Ilayda Latifaj unter den Augen von Fachdienstleiter Dieter Rotter.

Mit einer Laternenlotterie weist die Stadt Lüdenscheid den Parteien Plakatstandorte für den Bundestagswahlkampf zu. „Mir ist keine andere Stadt bekannt, die eine solche Verlosung durchführt“, sagt Dieter Rotter, Fachdienstleiter Bauservice der Stadt Lüdenscheid, bevor das erste Los gezogen wird.

Lüdenscheid – Das Prozedere ist für alle 23 Wahlbezirke identisch. Pro Bezirk gibt es 26 Laternen, die unter den Parteien aufgeteilt werden. Eine kleine Partei erhält einen Plakatstandort, die Parteien in Fraktionsstärke dürfen zwei Wahlplakate aufhängen und die beiden stärksten Parteien erhalten vier Werbeflächen je Wahlbezirk. Hierbei zählt immer die zuletzt stattgefundene Wahl. Bis zum vergangenen Dienstag haben sich 13 Parteien gemeldet: CDU (vier Plakatplätze pro Bezirk), SPD (vier), AfD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke (je zwei), Tierschutzpartei, Freie Wähler, ÖDP, DKP, Basis, Team Todenhöfer und Volt (je einer). Drei Laternen bleiben unbesetzt. „Zur Europawahl waren 16 Parteien zugelassen, mit dieser Zahl haben wir kalkuliert“, erklärt Rotter. Eventuelle Nachzügler könnten diese Plätze im Nachhinein bekommen.

Die Laternenmasten-Standorte für Wahlplakate als PDF

Insgesamt einen Monat lang hat der Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) 598 Laternen überprüft, fotografiert und katalogisiert. 598 Sitze sind auch im Bundestag vorgesehen – ohne Überhangmandate. „Das ist purer Zufall“, lacht der 61-Jährige. Im Haushalt der Stadt sind für Katalogisierung und Verlosung 25 000 Euro vorgesehen. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) kritisierte das Verfahren bereits im Juni als „Steuerverschwendung“ (wir berichteten). Natürlich sei es günstiger, die Parteien einfach wild plakatieren zu lassen, sagt Rotter, aber: „Dann sieht die Stadt auch dementsprechend aus.“

Die Verantwortlichen hoffen, dass sich diese einmalige Investition auf längere Sicht rechnet. Da der Laternen-Katalog auch für andere Wahlen genutzt werden könne, entfielen diese Kosten in Zukunft, sagt Rotter. Außerdem habe der Vertrag mit dem Dienstleister, der bisher die Wahlwerbung für die Stadt übernommen habe, einen Wert von 15 000 Euro gehabt. Nach einem deutschlandweit gültigem Urteil müsse die Stadt nun knapp 600 statt 300 Plakatplätze zur Verfügung stellen. „Dadurch hätte der neue Vertrag mindestens 30 000 Euro gekostet“, sagt Rotter.

Am Ende seien es die Parteien gewesen, die eine Regelung haben wollten, um wildes Plakatieren zu vermeiden. „Der Vorschlag der Stadt war es, keine Vorgaben für die Wahlkampfwerbung zu machen“, erklärt Rotte, „doch das wollten die Parteien nicht, die nun auch für das Auf- und Abhängen verantwortlich sind.“ Die Plätze dafür werden nun verlost.

Als „Losfee“ am Donnerstag muss Petra Hüttemeister fungieren, die bei der Stadt für die Sondernutzungen und deren verwaltungsmäßige Abwicklung zuständig ist. „Wir haben einen Probedurchlauf gemacht. Niemand konnt die kleinen Zettel so schnell aufrollen“, scherzt Rotter. Neben ihr sitzt Ilayda Latifaj, die das ganze Verfahren als Projekt in ihrer Ausbildung geleitet hat. Nach etwa einer Stunde ist die Verlosung vorbei, den Parteien sind ihre Standorte am frühen Abend mitgeteilt worden und können unmittelbar mit dem Plakatieren beginnen. „Es wird auch höchste Zeit“, sagt Rotter. „Es sind ja nur noch sechs Wochen bis zur Bundestagswahl.“

Wahlamt wieder im Kulturhaus

Bereits ab Montag, 16. August, können Wahlberechtigte über die Homepage der Stadt online ihre Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl am 26. September beantragen. Die Wahlbenachrichtigungskarten werden voraussichtlich ab dem 23. August verschickt werden. Das teilt die Stadt auf Anfrage mit. Das Wahlamt der Stadt, das am 23. August öffnet und in dem vorab gewählt werden kann, wird wie bei der Kommunalwahl 2020 im ehemaligen Gastro-Bereich des Kulturhauses eingerichtet. Wahlberechtigte, die bis zum 5. September keine Wahlbenachrichtigung erhalten, sollen sich mit dem Wahlamt in Verbindung setzen. she

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