Die Sofort-Hilfe hilft nur bedingt

Lasertag-Arena im MK  wieder geöffnet: „Alles ist besser als Null“

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Bunte Graffiti an den Wänden, hinter denen sich die Spieler verstecken können um sich vor feindlichen Angriffen zu schützen, sorgen für eine spezielle Atmosphäre im Laserdrom. Mit Maske darf bei Artur Merling (links) wieder Lasertag gespielt werden.

Lüdenscheid - Die Lasertag-Arena in Lüdenscheid ist wieder geöffnet. Die Zeit der corona-bedingten Schließung hat bei Besitzer Artur Merling jedoch Spuren hinterlassen.

Vereinzelt hängen leuchtende, grelle LED-Lichter an der Decke, manche Wände sind mit neonfarbenen Graffiti verziert – und trotzdem ist es sehr dämmrig. Bis zu 21 Personen befinden sich auf der 750 Quadratmeter großen Spielfläche von Artur Merling. Ausgestattet sind die Spieler mit Westen, an denen sich vier Sensoren befinden. Sie müssen mit dem Strahl eines Lasergewehres getroffen werden. Gespielt wird entweder in Teams oder im Modus Jeder-gegen-Jeden. 

Am 7. Juli 2017, nach einem Jahr Bauphase, eröffnete Merling seine Lasertag-Arena, die in Fachkreisen Laserdrom genannt wird. Auch er musste seine Räumlichkeiten an der Noltestraße corona-bedingt schließen. „Das kam alles sehr spontan“, sagt der 26-jährige Jungunternehmer, während er die Spielsysteme für seinen Laserdrom am Computer hochfährt. Zwar habe auch er die Sofort-Hilfe in Höhe von 9 000 Euro erhalten, doch eine große Hilfe war das nicht, wie er sagt: „Wir sind noch ein sehr junges Unternehmen und haben hohe Kosten. Uns hätten 10 000 Euro pro Monat geholfen – nicht einmalig 9 000 Euro.“ Die Zahlung der Sofort-Hilfe erfolgte nach Aussage des Inhabers zudem erst nach 30 Tagen. Verständnis für die Art und Weise der staatlichen Unterstützung hat er. Dennoch: „Das Ganze hat mich schon sauer gemacht. Ich verstehe, dass es schnell gehen musste, aber ich habe nicht verstanden, dass wir überhaupt schließen mussten. Es gibt bei uns keinen Körperkontakt und auch die Abstandsregeln wurden schon vorher automatisch eingehalten.“ Der übliche Abstand zwischen zwei Spielern beträgt 12 bis 15 Meter. 

Sein Team besteht aus fünf 450-Euro-Jobbern, deshalb gab es für Merling keine Personalkosten. „Meine Mitarbeiter haben aber auch sofort gesagt, dass sie auf ihr Gehalt verzichten.“ 

Vermieter unterstützt 

Nun sind die Systeme hochgefahren. In dem zuvor so dunklen Vorraum der Arena wird es etwas heller. Die Sensoren der Westen, die in diesem Raum an Haken hängen, fangen an zu blinken – in ständig wechselnden Farben. Man hat den Eindruck, die Spielhalle „erwacht“, um Spieler zu empfangen. 

Dass es diesen Moment überhaupt wieder gibt, hat Merling auch seinem Vermieter zu verdanken. „Ich muss sagen, ich habe hier einen super Vermieter. Ich musste während der Schließung nur die Hälfte meiner Miete zahlen.“ Doch: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Vereinbarung beinhaltet die Rückzahlung der Miete in den Folgemonaten. 

Artur Merling (rechts) erklärt die Ausrüstung, die beim Lasertag genutzt wird.

Komplizierter gestaltete sich die Beschaffung von Desinfektionsmitteln, Mund- und Nasenschutzmasken sowie Handschuhen, die zudem eine weitere finanzielle Belastung darstellten. „Ich habe zum Beispiel für 50 Masken 40 Euro bezahlt. Hinzukommen die Kosten für die Desinfektionsmittel.“ 

Gerne hätte Merling während der Schließung Arbeiten in seiner Halle vorgenommen, doch: „Die Ideen waren da, wir konnten sie nur nicht umsetzen, weil uns schlichtweg die Kohle fehlte.“ 

Zögerliche Kundschaft 

Am 13. Mai dann das große Aufatmen: Merling durfte seine Lasertag-Arena wieder öffnen. „Das ist eine große Erleichterung für mich und meine Mitarbeiter.“ Noch am 20. Februar hatte Merling ein großes Lasertag-Turnier ausgerichtet, mit Spielern aus ganz Deutschland. Zudem hatte er Buchungen für die nächsten zwei Monate. Dann kam der Shutdown. „Es lief wirklich gut für uns“, sagt der 26-Jährige, der während der Schließung sein Betätigungsfeld wechseln musste. „Ich habe bei einem Kumpel gearbeitet, der Pools herstellt“, sagt Merling. „Irgendwie muss ich ja meine Miete bezahlen.“ 

Einen Ansturm auf sein Unternehmen könne er zwar nicht verzeichnen, sagt aber: „Alles ist besser als Null.“ Nachdem bekannt wurde, dass die Arena vorübergehend geschlossen wird, habe er die verschiedensten Reaktionen erhalten: „Viele waren traurig, andere haben gefragt, ob man nicht irgendetwas machen könnte, damit sie trotzdem spielen können. Das haben wir natürlich sofort verneint.“ 

Nach Corona Lockdown: das Lasermaxx öffnet wieder

Ebensoviele Reaktionen gab es dann auch, als die Wiedereröffnung beschlossen war. „Da haben wir unheimlich viel mitbekommen. Das Interesse war erst einmal groß. Wir haben zum Beispiel mit einem Beitrag von uns in den sozialen Medien 14 000 Menschen erreicht“, erzählt er mit einem Lächeln im Gesicht, während er sich in Richtung des Thekenbereichs bewegt. Die Spielfläche ist bereit, die ersten Kunden werden für 20 Uhr erwartet. 

Gerne hätte er auch schon früher Kundschaft da, doch die scheint noch zögerlich zu sein. „Die Reservierungen laufen nur schleppend an. Ich glaube, das liegt auch daran, dass Lasertag mit Maske gespielt werden muss.“ 

Einer der Kunden, auf die Merling an diesem Tag wartet, ist Sam Rühlmann. Der Lüdenscheider ist ein treuer Gast. „Vor Corona war ich zwei bis vier Mal pro Woche Lasertag spielen“, sagt er. Darauf zu verzichten sei nicht leicht gewesen: „Das ist wie eine Sucht, die man dann nicht befriedigen kann“, erzählt er und muss lachen. Am Tag der Wiederöffnung waren sowohl Rühlmann als auch beinahe alle Mitspieler seines Teams vor Ort und haben fünf bis acht Runden Lasertag gespielt. 

Stammspieler helfen 

Sorgen darum, dass das Unternehmen Merlings an der Corona-Krise zu Grunde gehen könnte habe er sich nicht gemacht: „Ich kenne Artur ganz gut und hatte auch ab und zu Kontakt mit ihm. Er hat mir versichert, dass es auch nach Corona weitergehen wird.“ 

Um Merling zu unterstützen, haben Rühlmann und seine Mitstreiter die Initiative ergriffen und sind auf Kundenakquise gegangen. Die Bemühungen haben auch direkt Wirkung gezeigt, wie er verrät: „Am Mittwoch und Sonntag war eine Mannschaft aus Koblenz in Lüdenscheid. Am Freitag kam ein Team aus Fulda, um hier zu spielen.“ Dabei bewahrheitete sich die große Befürchtung Rühlmanns nicht: „Nach ein, zwei Runden habe ich gemerkt: Ich bin doch nicht so eingerostet wie gedacht. Zunächst überwog die Vorfreude und dann war es wieder wie vorher.“

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