Landtags-Kandidaten unter der Lupe

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Die Schülerinnen und Schüler befragten die Politiker zu jugendspezifischen Themen, die sich um ihre berufliche Zukunft drehten. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Seit Wochen hetzen die sechs heimischen Landtagskandidaten von Termin zu Termin. In der finalen Wahlkampfphase stellten sich die Politiker jetzt im Bürgerforum des Rathauses und im Gertrud-Bäumer-Berufskolleg gleich zweimal ausschließlich den Fragen junger Wähler.

Rund 250 Schülerinnen und Schüler fanden sich am Donnerstagmittag in der Aula des Gertrud-Bäumer-Berufskollegs ein. Die Schülervertretung hatte in Zusammenarbeit mit den SV-Lehrerinnen Yvonne Lasitza und Dr. Eva Zayc-Schmidt die Landtagskandidaten des Wahlkreises 123 (Märkischer Kreis III) zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Nachdem Geza Lang (Bündnis 90/Die Grünen), Angela Freimuth (FDP), Gordon Dudas (SPD), Michael Meyer (Piratenpartei), Michael Thomas-Lienkämper (Die Linke) und Oliver Fröhling (CDU) sich und ihre zentralen Wahlkampfthemen kurz vorgestellt hatten, galt es, der Reihe nach von der Schülervertretung ausgearbeitete oder dem Publikum gestellte Fragen zu beantworten. Diese drehten sich um die berufliche Zukunft von Auszubildenden und Studenten.

Als die Themen Mindestlohn, Zeitarbeit und Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ) zur Sprache kamen, äußerten einige Jugendliche die Sorge, von Betrieben als billige Arbeitskräfte ausgenutzt zu werden. Gegen Ausnutzung an sich sprachen sich zwar alle Politiker aus – Gordon Dudas (SPD) etwa empfahl den Jugendlichen, sich in Gewerkschaften zu organisieren. Angela Freimuth (FDP) und Oliver Fröhling (CDU) sprachen sich jedoch gegen die Einführung eines Mindestlohns aus. „Die Politik darf sich nicht in die Tarifökonomie einmischen, denn die Gehälter zahlen die Betriebe“, sagte Freimuth. Fröhling verteidigte Zeitarbeit als Möglichkeit, „in der Berufswelt Fuß zu fassen“.

Geza Lang (Grüne) dagegen konnte die Diskussion um Mindestlöhne und Traifautonomie nicht nachvollziehen: „In einem Sozialstaat muss es möglich sein, Menschen so zu bezahlen, dass sie würdevoll leben können.“

Einig waren sich die Befragten darin, dass das so genannte „Betreuungsgeld“ für Familien, die den Nachwuchs zu Hause erziehen und auf den Kindergarten verzichten, abzulehnen sei. „Soziale Kontakte und die Integration von Kindern in die Gesellschaft werden be- und vielleicht sogar verhindert“, gab Michael Meyer von der Piratenpartei zu bedenken. Gordon Dudas (SPD) sprach gar von einer „bildungspolitischen Totalkatastrophe“.

Obwohl sie teils unterschiedliche Schul- und Lernmodelle mit speziellen Betreuungsangeboten favorisieren, waren sich die Kandidaten auch darin einig, dass Bildung für die Zukunft eine zentrale Rollen spiele und allen jungen Menschen unabhängig vom Einkommen der Eltern zugänglich gemacht werden müsse – auch wenn das in Anbetracht des doppelten Abitur- und Ausbildungsjahrgangs 2013 einen gewaltigen Kraftakt für Universitäten und Wirtschaft bedeute.

In einem kleineren, dafür aber persönlicheren Rahmen hatten die Landtagskandidaten rund 60 Jugendlichen bereits am Mittwochabend im Bürgerforum des Rathauses Rede und Antwort gestanden: Im Rahmen der landesweiten Kampagne „Zukunft nur mit uns. Politik nicht ohne Deine Stimme!“, die der Landesjugendring NRW initiiert hatte, äußerten sich die Politiker an sechs Tischen in kleiner Runde jeweils zehn Minuten lang zu unterschiedlichen Themen – und diskutierten mit den Jugendlichen unter anderem über Perspektiven junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt, jugendliche Wahlbeteiligung sowie Medien und Computer.

Ziel der Aktion sei es, das politische Bewusstsein junger Menschen zu stärken und diesen die Möglichkeit zu geben, sich im direkten Austausch mit den Kandidaten zu informieren, erklärte Michael Heide-Gentz, Sprecher des Stadtjugendrings. „Wer nicht wählt, stärkt die Falschen“, fügte er hinzu.

Nicht nur die Politiker, sondern auch die Jugendlichen werteten die Veranstaltung als vollen Erfolg. „Das gefiel mir richtig gut, und es hat Spaß gemacht, die anderen Parteien und ihre Inhalte kennenzulernen“, sagte Ina Rose (19). Lediglich die Zeit sei „viel zu knapp gewesen“, um sich intensiv austauschen zu können. Auch Sebastian Moos (19) bewertete die Veranstaltung positiv, weil er „mit den kleineren Parteien mal ins Gespräch“ gekommen war. ▪ Sven Prillwitz

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