Landschaften des Sauerlandes

Ein Gemälde von Rudolf Kaschke fürs Virtuelle Museum

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Der Sauerländer Wald im Winter  - ein Bild von Rudolf Kaschke. 

Lüdenscheid- Die Sammlung der Städtischen Galerie in Lüdenscheid dokumentiert auf vielfältige Weise die Kunstgeschichte insbesondere ab dem 19. und vor allem des 20. Jahrhunderts nach 1945. Hinzu kommt ein besonderes Augenmerk auf heimische Künstler. So befinden sich im Besitz der Museen der Stadt einige Gemälde des Lüdenscheider Künstlers Rudolf Kaschke (1879-1965). Eines davon wird heute Teil des Virtuellen Museums.

Es handelt sich um ein typisches Landschaftsbild des Malers, der im Rahmedetal seine Heimat gefunden hatte. Die herbe Landschaft des Sauerlandes war für ihn immer wieder Inspiration für seine Bilder – so auch für dieses Werk. Es zeigt eine typische Waldlandschaft im Winter, noch ohne Schnee, aber mit kahlen Bäumen, wobei die Farbgebung den Frost erahnen lässt.

Geboren wurde Rudolf Kaschke 1879 in Raudten, einer Kleinstadt in Niederschlesien. Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1888 wurde der Großvater eine wichtige Bezugsperson für den Jungen. Der erblindete Karl Samuel Kaschke (1813-1897) war als Lehrer ausgebildet, hatte seinen Beruf aber nicht mehr ausüben können und betätigte sich als Korbmacher. Nebenbei schrieb er Gedichte. Der Großvater wurde schon früh auf das Talent seines Enkels aufmerksam gemacht und unterstützte dessen künstlerische Fähigkeiten.

1903 nach Lüdenscheid gezogen 

Nach Abschluss seiner Lehre zog Rudolf Kaschke nach Köln, wo er mit Unterstützung seines Onkels, der dort als Lehrer tätig war, eine Kunstgewerbe- und Handwerkerschule besuchte. Die intensive künstlerische Weiterbildung und das Leben in der Rhein-Metropole hätten ihn ausgefüllt – Ferdinand Wagner („Künstlerschaffen im Sauerlande“) schrieb über Kaschke: „Jeden Sonntag steckt er in dem bekannten Wallraf-Richartz-Museum. Jede freie Stunde wurde zum Malen und Zeichnen benutzt.“

1903 zogen Rudolf Kaschke und seine Frau Helene, die er ein Jahr zuvor geheiratet hatte, nach Lüdenscheid und eröffneten ein eigenes Malergeschäft. Sie bauten in der Rahmede ein kleines Landhaus nach Plänen des Lüdenscheider Architekten Gustav Baukhage. Das Ehepaar bekam fünf Kinder. Der Maler fühlte sich von Beginn an wohl in der herben Landschaft und fand schnell Kontakt zur Bevölkerung. 

Seine Tochter Helene Dango sagte über ihren Vater: „Sonntags wanderte er in die Wälder und skizzierte und malte. Das Sauerland hatte ihn eingefangen, er liebte es bis in seine letzten Tage.“ In den waldreichen Bergen und Tälern fand er seine Inspiration. Das häufige Motiv seiner Bilder ist das Natursymbol schlechthin: Der Wald – wie in dem ausgewählten Werk. Seine Arbeiten erlangten eine große Popularität. 

Romantisches Naturbewusstsein

Aber auch auf Reisen, die ihn hin und wieder nach Schlesien und Bayern führten, nahm er seine Skizzenbücher und Malutensilien mit. Sein ältester Sohn Wilhelm wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges am Tegernsee schwer verwundet und starb kurz darauf – Rudolf Kaschke reiste daraufhin mehrmals an diesen Ort und verarbeitete seine Trauer in seinen Alpenlandschaften.

Das Naturbewusstsein, das sich in Kaschkes Werken spiegelt, entstammt der Romantik. „Die harmonische, geordnete, stille Natur des Waldes bedeutet vor allem eine Gegenwelt zur lauten, hektischen und technisierten Welt der Großstadt. Oft ist diese Vorstellung mit eigenen Lebens- und Kindheitserinnerungen verwoben. Die gesehene Landschaft wird zu einer erinnerten Landschaft, die uns zu unseren Ursprüngen zurückführt“, hieß es in einer Beschreibung über Kaschkes Gesamtwerk zur Ausstellung „Stille Landschaften“, die die Städtische Galerie und das Geschichtsmuseum 2008 gemeinsam mit dem Geschichts- und Heimatverein gezeigt hat. 

Diese schlug einen Bogen von der Landschaftsdarstellung des Jahres 1870 bis heute – mit unterschiedlichen Medien. Im Mittelpunkt stand das Werk Rudolf Kaschkes, der damit eine besondere Wertschätzung erfuhr – nicht nur als bedeutender Maler in der Region, sondern auch in der kunstgeschichtlichen Einordnung seiner Werke.

Zeichnungen mit sarkastischem Humor

In der Ausstellung „Die Unschuld verloren“, die 2014 Tagebucheinträge und private Korrespondenzen von deutschen Schriftstellern, Künstlern und Gelehrten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zeigte, war dagegen ein anderer Kaschke zu erleben: Im Sommer 1915 war er zum Landsturm einberufen worden. Während seines Einsatzes als Infanterie-Soldat in Nordfrankreich schrieb er Feldpostkarten an seine Familie, die er mit Zeichnungen versah. Obwohl die Dokumente der Zensur unterlagen, gaben die Postkarten einen Einblick in die unmenschlichen Bedingungen im Schützengraben. Dabei entwickelte Kaschke in den kleinformatigen Zeichnungen einen persönlichen, von ganz eigenem Sarkasmus geprägten Humor.

Bis heute werden Bilder von Rudolf Kaschke in Galerien und bei Auktionen gehandelt.

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