Rotlicht-Milieu: Taxifahrer und Kunde zugleich

Lüdenscheid - Zwei Lüdenscheider stehen in Hagen wegen Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und Körperverletzung vor Gericht. Der dritte Verhandlungstag offenbart einen tiefen Blick ins heimische Rotlicht-Milieu.

Der Fall

Ein 20 und ein 25 Jahre alter Lüdenscheider stehen in Hagen wegen Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und Körperverletzung vor Gericht. Sie sollen im August 2014 eine damals 19-Jährige, die in einem Hagener Bordell arbeitete, massiv unter Druck gesetzt und ihr die Einkünfte gewaltsam abgenommen haben.

Plötzlich taucht ein Zeuge auf, der offenbar weiß, was sich zwischen den Angeklagten und der jungen Prostituierten ereignet hat.

Inwieweit der 20-Jährige – er sitzt gerade eine Haftstrafe wegen Drogenvergehens ab – mitgewirkt hat bei den Misshandlungen und der Ausbeutung der Lüdenscheiderin, darüber schweigt er sich aus. Er muss sich nicht selbst belasten. So steht es im Gesetz. Aber auf den Verdacht angesprochen, dass die beiden mutmaßlichen Zuhälter sich an der Hure vergangen haben, sagt er: „Ist doch normal, wenn man eine Frau auf den Strich schickt, dass man die auch selbst mal...“

Aufschluss über die Vorgeschichte der Verbrechen an der Prostituierten gibt die Aussage eines Taxifahrers. Der 34-Jährige kennt die Beschuldigten – und hat ihr Opfer chauffiert. Zum Beispiel nachts von der Hagener Rotlicht-Meile Düppenbecker Straße nach Lüdenscheid.

Der jüngere der Angeklagten hat das Geschäft eingefädelt. Vor einer inzwischen geschlossenen Kneipe in der Innenstadt wartet ein Freier – „Russe oder Pole oder sowas“, so der Taxifahrer. Jemand kommt und schließt die Kneipe auf, die Frau und der angetrunkene Mann treten ein. Der Taxifahrer auch.

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Richter Marcus Teich fragt den Zeugen: „Waren Sie nur Fahrer oder auch Kunde?“ Antwort: „Auch Kunde.“ – „Gleichzeitig?“ – „Nein, nacheinander.“ Anschließend habe der Freier bezahlt, 400 Euro, die Hälfte nimmt der Fahrer an sich – und händigt sie später dem Auftraggeber aus. Die Kneipe wird wieder abgeschlossen.

Dass der bislang unbekannte Kunde der Hure noch 500 Euro leiht, die sie nach und nach abarbeiten soll, „das habe ich selber gesehen“, sagt der Zeuge. Und er petzt es den Zuhältern. Die wollen den lilafarbenen Schein haben, die Frau will ihn nicht hergeben, wird darauf in einem Wald zusammengeschlagen und -getreten und landet im Krankenhaus.

Ein junger Ermittlungsrichter des Hagener Amtsgerichts nimmt die Aussage der Frau auf – und berichtet im Zeugenstand über die Vernehmung. Verteidiger Burkhard Benecken widerspricht der Verwertung dieser Aussage. Der Jurist habe gesetzeswidrig gehandelt, das Vernehmungsprotokoll nicht unterzeichnen lassen, die beiden Beschuldigten nicht informiert und keine Verteidiger für sie bestellt. „Das sind alles Spekulationen ins Blaue hinein.“ - von Olaf Moos

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