Landgericht: „Wenn man Geld hat, ist alles gut“

Lüdenscheid - „Wenn man Geld hat, ist alles gut“, sagt „Vassili“ zu Richterin Heike Hartmann-Garschagen. Da widerspricht niemand im Gerichtssaal. Doch um die Art und Weise, wie der 29-Jährige in Lüdenscheid zu Geld gekommen ist, kreist seit Anfang Dezember die Hauptverhandlung.

Von Olaf Moos

Mit der Aussage eines Kripo-Beamten, der drei der mutmaßlichen Opfer des Griechen vernommen hat, verdichtet sich der Anklagevorwurf von Staatsanwältin Beatriz Föhring mehr und mehr zur Gewissheit: Es geht um die systematische und skrupellose Ausbeutung wehrloser Menschen.

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert. Der Prozess soll bis Mitte Januar dauern und wird am 6. Januar um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Noch sind nicht alle Details über Konteneröffnungen, Kreditanträge, Kaufverträge und Handybestellungen geklärt, die der Lüdenscheider erzwungen haben soll. Doch der 55-jährige Ermittler im Zeugenstand ist sicher, dass das „Vassilis“ angsteinflößendes Auftreten seine Opfer gefügig gemacht hat. „Ausschlaggebend war wohl sein Ruf, ein absolut gefährlicher Mann zu sein.“ Es sei gewiss, „dass die heute noch Angst vor ihm haben“.

Und nicht nur das. Neben Rechnungen, Mahnungen und Inkasso-Androhungen, die den Zeugen nach und nach ins Haus flatterten, haben sie – wie am Rande des Prozesses bekannt wird – teilweise nun auch negative Schufa-Einträge über ihre Kreditwürdigkeit am Hals, die nur schwer zu tilgen sind. Der Kripo-Mann berichtet, dass „Vassili“ seine Opfer sogar gezwungen habe, ihre Meldeadresse zu ändern. So seien schriftliche Unterlagen über deren Kredite oder Warenbestellungen nicht bei ihnen sondern bei ihrem Peiniger im Briefkasten gelandet. Die Betrogenen hätten erst viel später von „Vassilis“ Geschäften mit ihrem Geld erfahren.

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Der Angeklagte schüttelt angesichts dieser Schilderungen schweigend den Kopf. Redseliger wird er, als die Vorsitzende Richterin ihn nach seinem Drogenkonsum und seiner Flucht nach Griechenland fragt. Schulden habe er gehabt, sagt er. Wegen seiner Kokain-Sucht. Und gespielt habe er. „Da hat man schon mal 1000 Euro am Abend verloren.“ Und ein „paar Betrügereien“ habe er begangen. „Und dann kam das Angebot, Drogen zu verkaufen.“ Von wem? „Die Namen will ich nicht nennen.“ In Thessaloniki habe er abwarten wollen, „bis Gras über die Sache gewachsen ist.“ Seine Verhaftung traf ihn überraschend. Gegenüber der Polizei hatte er telefonisch mitgeteilt, er werde „sowieso nicht ausgeliefert“.

Nun stimmt er einer psychiatrischen Begutachtung zu.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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