Landgericht: Versprechungen, Druck und Angst

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Lüdenscheid - Ein Lüdenscheider Bauunternehmer, seine Frau und deren Wirtschaftsberater sind wegen Betruges und Bestechung angeklagt. Ein Ex-Bediensteter der Kreisverwaltung muss sich wegen Bestechlichkeit verantworten. Es geht unter anderem um gefälschte Kreditanträge an die NRW-Bank. Am Montag wurde der Prozess fortgesetzt.

Es ist ein Prozesstag, an dem die Staatsanwältin Punkte sammelt. Denn die Schilderungen der kleinen Häuslebauer über ihre Erfahrungen mit dem 61-jährigen Bauunternehmer und seiner Frau sowie deren Wirtschaftsberater klingen wie eine tonnenschwere Belastung. In den Aussagen geht es um vollmundige Versprechungen, windige Werkverträge, Geldtransfers, Druck und Angst. Und in einem weiteren abgehörten Telefonat der Unternehmers-Gattin um fragwürdiges Rechtsbewusstsein.

Der Vorsitzende Richter Andreas Behrens wirkt verärgert. Er liest aus einem Brief vor, den eine Anlegerin am 27. August an das Gericht geschrieben hat – elf Tage vor Prozessbeginn. Darin schildert sie, wie der Wirtschaftsberater eine Woche zuvor mit seinem schwarzen Geländewagen auf ihr Grundstück rollte und vom Fahrersitz aus Fotos von ihrem Haus machte. „Ich vermute, das war Einschüchterung, auf jeden Fall machte mir das Angst.“

Richter Behrens ermahnt den Angeklagten. „Das ist nicht so gut, solche Sachen in einem laufenden Verfahren zu machen! Lassen Sie die Zeugen in Ruhe! Man fotografiert keine fremden Häuser.“ Und: „Wir hoffen, dass so was nicht nochmal vorkommt.“ Der Wirtschaftsberater schweigt dazu und senkt den Blick.

In den Schilderungen der Kunden fällt ein fahles Licht auf die Geschäftspraktiken des Bauunternehmers. Übereinstimmend berichten die Zeugen über plötzlichen Stimmungswandel. Eine 38-Jährige sagt: „Bis zur Unterschrift klappte alles sehr gut. Als die Verträge unterschrieben waren, wurde alles sehr schwierig.“ Ein anderer Bauherr, Werkzeugmacher, 42 Jahre alt, ließ sich für Tricksereien bei der Beschaffung des nötigen Eigenkapitals ködern.

Bargeld des Bauträgers ging an die Eltern des Bauherrn, die überwiesen es als „familiäre Geldspritze“ an ihren Sohn, der druckte die getürkten Kontoauszüge für die Beantragung öffentlicher Mittel, hob das Geld wieder ab und gab es dem Bauträger zurück. „Ich habe mich erst gesträubt, das zu machen. Aber er sagte, das ist normal.“ Ähnlich ein Schlosser (40), dessen Verwandte in Sibirien angeblich ihr Erspartes für das Eigenkapital des Häuslebauers verschenkt haben. Richter: „Kam das Geld von der Oma? Zeuge: „Nein.“ – „Das Geld gab’s gar nicht?“ – „Nein.“

Am 8. September, Tag des Prozessbeginns, hörte die Polizei ein Telefonat zwischen der Frau des Bauträgers und deren Mutter ab. Darin sagt die Mutter unter anderem: „Es gibt so Doofe, die dir eins auswischen wollen.“ Die Tochter antwortet: „Eigentlich sind nicht wir es, die beschissen haben, sondern die Kunden.“ Rechtsanwältin Kirsten Petereit widerspricht der Verwertung des Telefonprotokolls.

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