Landgericht: Vergleich nach Treppensturz

Lüdenscheid - Eine krumme Treppe ist nicht automatisch eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht. Mit einem Vergleich endete ein Verfahren, das eine 49-jährige Lüdenscheiderin vor einer Zivilkammer des Landgerichts Hagen gegen die Stadt geführt hat. Die Frau war am 25. Mai vergangenen Jahres auf der Treppe vor einem städtischen Wohnhaus am Staberg gestürzt und verlangte 6193 Euro Schadensersatz.

Der Tag des Unfalls erscheint unverdächtig. Es war Frühling und deshalb nicht eisglatt. Es war um 18 Uhr und daher noch nicht dunkel. Trotzdem strauchelte die Lüdenscheiderin auf den vier recht ausgetretenen Stufen der Zugangstreppe, kam zu Fall und zog sich schmerzhafte Blessuren zu. Welche Verletzungen genau die 49-Jährige erlitt, ist unklar. Ein anfänglicher Verdacht auf Fraktur der Lendenwirbelsäule hat sich nach den Worten von Gerichtssprecher Jan Schulte nicht bestätigt.

Doch angesichts des Zustandes der Treppe äußerten die Richter Bedenken. Wenn es offensichtlich sei, dass die Stufen alt und ausgetreten sind, seien Gefahren zu erwarten – weshalb auf eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht nicht unbedingt zu erkennen sei, hieß es. Und wenn sie doch vorliege, dann treffe die Klägerin trotzdem ein erhebliches Mitverschulden.

Nach diesen Hinweisen versuchte der Vertreter der Stadt, eine weitere Beweisaufnahme mit Zeugenvernehmungen oder Gutachten zu vermeiden und bot als Vergleich eine Zahlung von 600 Euro an die Klägerin an – „ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht“. Die Frau akzeptierte. Die Treppe vor dem städtischen Haus ist immer noch krumm. - von Olaf Moos

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