Urteil im Fall „Vassili“: zehneinhalb Jahre Haft

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Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen (M.) und ihre Beisitzer Inga Papajewski und Martin Bichmann fällten gestern das Urteil über den Lüdenscheider „Vassili“.

Lüdenscheid - Erpresserischer Menschenraub, schwere räuberische Erpressung, versuchte schwere räuberische Erpressung, Computerbetrug in fünf Fällen, Hausfriedensbruch, Diebstahl und gefährliche Körperverletzung – dafür verurteilte die 4. große Strafkammer des Landgerichts Hagen den in Lüdenscheid als „Vassili“ bezeichneten Angeklagten zu zehneinhalb Jahren Gefängnis.

Von Olaf Moos

Der Gefangene macht seit Prozessbeginn einen ausgezehrten und resignierten Eindruck. Als er den Richterspruch hört, verzieht er das Gesicht wie unter Schmerzen, schließt die Augen und rauft sich das kurze Haar. In vier Wochen wird er 30. In Freiheit wird er erst wieder sein, wenn er fast 41 ist. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Trode, kündigt gegenüber den LN Revision an.

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Mit dem Urteil unterschreitet die Kammer den Antrag von Staatsanwältin Beatriz Föhring nur um ein halbes Jahr. Die Richter haben nach 14 Prozesstagen keinen Zweifel daran, die Vorwürfe zutreffen und dass die Belastungszeugen die Wahrheit gesagt haben. Im Rückblick auf die spektakuläre Aussage der jungen Frau aus Altena über ein wahres Martyrium und deren Zusammenbruch im Zeugenstand sagt die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen, solch eine persönliche Betroffenheit habe man „in diesem Gerichtssaal selten gesehen. Das war nicht gespielt.“

Die Opfer des Lüdenscheiders haben nach Überzeugung des Gerichts „alle über dasselbe Gebaren berichtet“. Dabei habe „Vassili“ das Gewaltpotenzial jeweils dem Empfinden seiner Opfer angepasst. Deshalb habe derjenige, der noch am meisten Widerstand geleistet hat, auch die meiste Gewalt erlitten, sagt Hartmann-Garschagen. Die Richterin nennt die Vorgehensweise des Beschuldigten in ihrer Urteilsbegründung „äußerst perfide“.

Im übrigen sei „Vassili“ bei all seinen Verbrechen voll schuldfähig gewesen, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Taten seien nicht im Rausch oder unter dem Einfluss einer Persönlichkeitsstörung begangen worden, sondern zeugten von einer guten Planung und seien „gut durchdacht“ gewesen – insbesondere Erkenntnisse über illegale Kreditgeschäfte und Geldverschiebungen „haben die Geschichte rundgemacht.“

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