Landgericht: Unterbringung in Psychiatrie angeordnet

Lüdenscheid - Es geht nicht um Bestrafung, sondern um den Schutz der Gesellschaft. Den hat die 6. große Strafkammer des Landgerichts Hagen ganz oben auf die Prioritätenliste geschrieben – und die Unterbringung des Lüdenscheiders in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet, auf unbestimmte Zeit.

Nach der Aussage des Beschuldigten und einer Reihe von Zeugenvernehmungen zweifelte niemand der Prozessbeteiligten daran, dass der kräftige Kerl in der Vergangenheit nicht nur selbst massive Probleme hatte. Er hat auch seiner Umwelt große Schwierigkeiten bereitet und beim Pflegepersonal und Mitbewohnern in verschiedenen Einrichtungen zeitweise Angst und Schrecken verbreitet.

Ausschlaggebend war schließlich das psychiatrische Gutachten des Sachverständigen Dr. Bernhard Bätz aus Hamm. Zum Zeitpunkt der Attacke auf den Arzt in der „Geschlossenen“ des Klinikums war der Patient nach Bätz’ Überzeugung schuldunfähig und habe keine Einsicht in das Unrecht seiner Tat zeigen können. Damit bejaht der Psychiater die medizinischen Voraussetzungen, weil „weitere Körperverletzungsdelikte zu erwarten sind, wenn er nicht behandelt wird“. Er sei für die Allgemeinheit gefährlich. Sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als auch Rechtsanwalt Martin Düerkop aus Iserlohn sprachen sich darauf für die Unterbringung des Mannes aus.

Das Verfahren wegen der Klauerei im Supermarkt, bei der der Beschuldigte ein Taschenmesser bei sich trug und die deshalb juristisch als „Diebstahl mit Waffen“ gewertet wird, stellte die Kammer unter Vorsitz von Richter Dr. Christian Vogt allerdings ein. Der Nachweis, dass er auch während dieser Tat unzurechnungsfähig war, ist nicht erbracht. Vielmehr gab der Beschuldigte selbst an, den Einsatz der Polizei und eine erneute Strafanzeige gegen sich bewusst provoziert zu haben, um von der Wohngruppe ins Krankenhaus verlegt zu werden.

Dr. Vogt bezeichnete die Unterbringung in der Psychiatrie wegen des Angriffs auf den Arzt als „Grenzfall“ – und kündigte an, die „zügige Verlegung in einen integrativen Bereich“ mit diversen Lockerungen in die Entscheidung mit einzubeziehen.

Der Lüdenscheider äußerte sich nicht zu dem Verfahren. Er hatte starke Medikamente genommen und wirkte äußerlich gleichgültig.

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