Hauptbelastungszeugin: Rolle der Frau fraglich

Lüdenscheid - Die junge Frau hat noch gar nicht ausgesagt in diesem Prozess. Doch Strafverteidiger Andreas Trode hat schon begonnen, die Glaubwürdigkeit der Zeugin – sie ist eines der Opfer seines Mandanten – in Frage zu stellen. Der zweite Tag der Hauptverhandlung gegen den mutmaßlichen Gewaltverbrecher, in Lüdenscheid Vassili genannt, wirft eine Reihe von unbeantworteten Fragen auf.

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert. Der Prozess soll bis Mitte Januar dauern und wird am 27. November um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Im Mittelpunkt der Vernehmungen steht ein Einbruch in die Wohnung der 24-Jährigen am Abend des 19. April vergangenen Jahres. Schauplatz ist ein Mietshaus an der Gartenstraße. Der Sohn (24) der Vermieter öffnet die Haustür. Er erinnert sich: „Plötzlich kamen viele Personen rein und wollten nicht mehr gehen, es war gruselig.“

Offenbar wollten die Männer zu der jungen Mieterin. Der Wortführer soll gesagt haben: „Die schuldet mir sehr viel Geld.“ Die Frau aber befindet sich zu diesem Zeitpunkt in Polen – und telefoniert gerade mit der hiesigen Polizei, um einen Einbruch in ihre Wohnung zu melden. Ein Polizist im Zeugenstand: „Und tatsächlich bekamen wir unmittelbar nach dem Telefonat einen Einsatz wegen eines Einbruchs an dieser Adresse.“

Sicher ist, dass einer der Männer die Wohnungstür eingetreten hat. Sicher ist auch, dass die Polizei einen offenen Schrank und eine leere Schatulle davor vorgefunden hat. Unklar ist aber, ob und was die Einbrecher haben mitgehen lassen. Angeblich, so die Mieterin später, fehlten unter anderem wertvolle Ringe und 1100 Euro.

Rechtsanwalt Trode befragt die Vermieterin. Die Zeugin sagt aus, die 24-Jährige habe Mietschulden bei ihr gehabt. Und sie erinnert sich daran, dass zwei Männer zuvor schon einmal dagewesen seien und nach der Frau gefragt haben. Zweifelsfrei also stand die Mieterin unter Druck.

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Doch woher genau sie den Angeklagten kannte und vor allem, woher die Schulden bei ihm stammten, darüber schweigt sich die Belastungszeugin offensichtlich noch aus. Ein Polizeibeamter sagt, sie habe Angst um ihr Leben gehabt. „Aber ich hatte auch den Eindruck, sie erzählt nicht die ganze Wahrheit.“ Auf konkrete Nachfragen hin sei sie ausgewichen.

Möglicherweise ging es auch um Schulden, die der Freund der Frau – ein in Lüdenscheid lebender Marokkaner – nach Drogengeschäften bei Vassili hatte. Der Angeklagte selbst schweigt zu der Einbruchsgeschichte – „zur Zeit“, wie sein Verteidiger sagt. Auch gegenüber der psychiatrischen Sachverständigen bleibt der Angeklagte stumm. Eine Untersuchung hat er abgelehnt. - von Olaf Moos

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