Landgericht: Die Putzfrau und ihre Kollegen

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Lüdenscheid - Es war im September 2013. Die beiden waren Arbeitskollegen. Bis sie in der Firma über die kleine Putzfrau herfielen. An den Spinden, aus dem die Männer „zwischendurch immer mal einen Schluck“ nahmen, wie sie sagt. Deshalb riechen sie nach Alkohol. Betatschen sie erst, einer von vorne, einer von hinten. Wollen sie küssen. Und versuchen dann, mit den Händen unter ihre Bluse zu langen. Da reißt sie sich los.

Von Olaf Moos

Wenige Tage später, es ist der 2. Oktober, lauert ihr einer der Kollegen wieder auf. Diesmal kann sie sich nicht so schnell losreißen. Er hat seine Hose ausgezogen, drückt ihren Kopf nach unten und will sie zwingen. „Die waren sonst immer nett“, sagt die Zeugin (37). „Aber irgendwann ging es zu weit.“

Der Vorsitzende Richter Marcus Teich ist gesprächsbereit. Die 1. große Strafkammer des Landgerichts zieht sich mit den Verteidigern Dirk Löber und Ingo Theissen-Graf Schweinitz sowie Staatsanwältin Bettina Hirschberg zu einer Verfahrensabsprache zurück. Nach einer Stunde ist klar: Sollten die Angeklagten den Vorwurf der sexuellen Nötigung im Sinne der Anklage einräumen, springt eine Strafe heraus, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann – zwischen 15 und 21 Monaten.

Das Opfer der beiden Männer (45/42) hört, wie sie sich „alles nicht erklären können“, und sieht ihre gesenkten Köpfe. „Das passt nicht zu seinem Wesen“, sagt Löber über seinen Mandanten. „Er schämt sich außergewöhnlich“, so Graf Schweinitz über den zweiten Angeklagten.

Eine lange Beweisaufnahme entfällt – den Geständnissen sei Dank. Aber eine Aussage muss die Frau doch machen. Sie berichtet, sie habe die beiden nicht anzeigen wollen. „Die hatten ja einen festen Vertrag.“ Sie selbst habe sich „was anderes“ suchen wollen. Die Putzerei in dem Betrieb sei eh nur ein Nebenjob gewesen. Doch die Übergriffe werden über eine Betriebsrätin publik. Die Täter fliegen raus, das Verfahren rollt an.

Einer der beiden hat seit ein paar Monaten wieder Arbeit. Der andere, der sich zweimal an der Frau vergriffen hat, noch nicht. Die Sauferei hat ihm viele Wege verstellt. Einmal, berichtet der psychiatrische Gutachter Dr. Patrick Debbelt, sei der Mann zur Entgiftung in eine Klinik gegangen. Bei der Aufnahme hatte er 3,7 Promille intus – „ohne sichtbare Ausfallerscheinungen“.

Die Frau hat einen Brief und als Wiedergutmachung 5000 Euro von ihm gekriegt. Die Angeklagten bitten sie um Entschuldigung. Sie sagt: „Ist schon okay!“

Als Richter Teich sie fragt, wie sie mit den Folgen der Taten klar käme, sagt sie: „Ich bin mit zwölf Jahren vergewaltigt worden, das war viel schlimmer.“

Der Prozess wird am 20. Januar um 9 Uhr im Saal 201 mit den Plädoyers und der Urteilsverkündung fortgesetzt.

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