Landgericht: Opfer war nicht in Lebensgefahr

Lüdenscheid -  Ein 37-jähriger Lüdenscheider soll Anfang Juni einen Mann in einer Wohnung an der Goethestraße verprügelt und mit einem Messer am Hals schwer verletzt haben. Im zweiten Anlauf sagte nun ein Nachbar als Zeuge aus.

Nun taucht also doch ein direkter Nachbar des Opfers von der Goethestraße vor Gericht auf. Am 4. Dezember sollte er schon in den Zeugenstand, blieb der Verhandlung aber unentschuldigt fern. Dabei hatte sich das Schwurgericht unter Vorsitz von Richterin Heike Hartmann-Garschagen von dessen Kenntnissen einen guten Beitrag zur Wahrheitsfindung versprochen. Jetzt sitzt der 40-Jährige endlich da – und versagt auf ganzer Linie. „Was ich darüber weiß, habe ich von Radio MK.“

Immerhin kann er berichten, warum er der gerichtlichen Ladung im Dezember nicht gefolgt ist. „Ich war stationär in der Psychiatrie.“ Die Sauferei eben, erfährt die Richterin. Ansonsten: „Ich kenne den Angeklagten nur vom Sehen.“ Ob er denn das Opfer beschreiben könne. „Der ist älter als ich. Und größer.“ Die Richterin gibt auf. Der nächste Zeuge, bitte! „Ich habe nichts mitgekriegt, meine Freundin hat mir aber von einem Rettungswagen vor ihrer Tür erzählt.“

Dafür können die Ärzte, die den drogenabhängigen und betrunkenen Verletzten auf dem OP-Tisch des Klinikums liegen hatten, etwas erzählen. Zum Beispiel, dass das Messer des Angeklagten eine sieben Zentimeter lange und zwei Zentimeter weit klaffende Wunde verursacht und nur wenige Millimeter an der Halsschlagader vorbeigegangen ist. Dass der sogenannte Kopfwende-Muskel im Hals durchtrennt war. Dass die Nase des 58-Jährigen einen Trümmerbruch erlitten hatte. Dass er eine Gehirnerschütterung und mehrere Riss- und Stichwunden am Kopf hatte.

Trotzdem schließt Rechtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff aus, dass der Patient in akuter Lebengefahr gewesen ist. „Er wäre auch ohne medizinische Versorgung nicht gestorben“, so der Gutachter. Und dass der Angeklagte die Halshaut seines Zechkumpanen zwischen die Finger geklemmt und dann mit dem Messer hineingeschnitten hat, „kann ich nicht widerlegen“. Der Angeklagte wiederholt seine Aussage. „Ich wollte ihn nicht schwer verletzen. Ich dachte, dann ist es weniger schlimm.“

Der Vollständigkeit halber verlesen die Richter exemplarisch einige der 20 Urteile, die der Angeklagte im Bundeszentralregister angesammelt hat. In einem Fall hat er gemeinsam mit seinem späteren Opfer Butter für 73 Cent im Aldi geklaut.

Der Prozess wird heute um 9.30 Uhr im Saal 201 mit den Plädoyers fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare