Landgericht: Opfer kann sich kaum erinnern

Lüdenscheid - Der Prozess geht in die Endphase, ohne dass es spektakuläre Wendungen oder überraschende neue Erkenntnisse gegeben hat. Der Angeklagte, ein wortkarger und hagerer Typ, hat die Tat – wie berichtet – grundsätzlich eingestanden. Die Vernehmung weiterer Zeugen aber muss abgewickelt, die Aussagen müssen in der Hauptverhandlung mündlich in das Verfahren eingeführt werden.

Doch damit hatte die Vorsitzende der 4. großen Strafkammer bislang ihre Mühe. Trotz des Geständnisses gibt es wenig Gewissheit über den konkreten Tatablauf und das Motiv. Nachbarn, die über die Begleitumstände, die Bekanntschaft zwischen den Männern und deren Konsumgewohnheiten hätten aussagen können, waren zwar geladen – sind aber aus unbekannten Gründen nicht vor Gericht erschienen. Sie sollen am nächsten Verhandlungstag zwangsweise vorgeführt werden.

Dann soll auch der Rechtsmediziner sein Gutachten über die Verletzungen des Opfers erstatten, und zwei Operateure des Klinikums Hellersen berichten über die Versorgung des Patienten.

Der selbst kann nur wenig zur Wahrheitsfindung beitragen. Schon zu Beginn des Prozesses mutmaßten die Beteiligten einschließlich Strafverteidiger Andreas Trode über die Zuverlässigkeit des Hauptbelastungszeugen. Die Frage, ob er seinen Verstand mit Schnaps und Drogen schon über Jahre so übel zugerichtet hat oder just an diesem Abend im Juni unzurechnungsfähig gewesen ist, lässt sich nicht beantworten.

Der Mann im Zeugenstand erinnert sich an kaum etwas, verwechselt einiges und scheint es mit der Wahrheitliebe auch nicht sonderlich zu haben. Er sagt, die Messer-Attacke habe in der Küche stattgefunden. Ärzte fanden ihn aber auf der Couch. Er sagt, er habe nicht getrunken, Ärzte messen aber mehr als ein Promille in seinem Blut.

Sollten sich neue Erkenntnisse nicht ergeben und Trode keine weiteren Beweisanträge stellen, dürfte das Verfahren mit dem Urteil am 8. Januar beendet sein.

Der Prozess wird am 7. Januar ab 9.30 im Saal 201 fortgesetzt.

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