Landgericht: Milde in der Berufungsinstanz

Lüdenscheid - Die Berufung kam gleich nach dem erstinstanzlichen Urteil. Es geht ums Strafmaß. Die 8. kleine Strafkammer muss keine Beweisaufnahme mehr durchführen. Die Schuld der drei Angeklagten steht seit Februar sowieso fest.

Demnach ist es erwiesen, dass einer von ihnen in ein Haus am Malterscheid in Stüttinghausen eingebrochen ist. Ein anderer hat den Fluchtwagen gefahren, zwei weitere Männer saßen mit im Auto und wussten von dem Einbruch.

Im Februar verurteilte das Schöffengericht den Einbrecher deshalb zu eineinhalb Jahren, den Hehler zu zehn Monaten, jeweils ohne Bewährung. Der Fahrer sollte 4500 Euro Geldstrafe bezahlen. Das Verfahren gegen den Vierten im Bunde wurde eingestellt, „wegen der im übrigen zu erwartenden Strafe“, wie es hieß. Er gilt als Drahtzieher einer Schießerei an der Wehberger Straße und musste sich vor einem anderen Gericht zeitgleich wegen versuchten Mordes verantworten.

Der Einbruchsfall machte vor allem deshalb Schlagzeilen, weil ein Pärchen aus Lüdenscheid den Wagen mit den Tätern bis zum Nattenberg-Stadion verfolgt, die Polizei alarmiert und somit für die Festnahme des Quartetts gesorgt hatte. Im September wurden die Frau und ihr Lebensgefährte von der Polizeiführung für ihre Zivilcourage ausgezeichnet. Nun ist das Pärchen wieder vorgeladen. Doch niemand muss mehr aussagen.

Der Einbrecher ist zur Berufungsverhandlung gar nicht gekommen. Er ist zur Fahndung ausgeschrieben. Sein Verteidiger, Bernd Eisenhuth, muss unverrichteter Dinge seine Akten einpacken. Das Gericht verwirft den Berufungsantrag.

Rechtsanwalt Jerrit Schöll aus Bielefeld regt an, das Verfahren gegen seinen Mandanten, den Fahrer des Fluchtautos, einzustellen. Der hat keine Vorstrafen und führt ein solides Leben. Richter Dieter Krause hält den Vorschlag für „angemessen“ und kommt Schölls Wunsch nach – gegen Zahlung eines Betrages von 3000 Euro.

Bleibt also der Hehler (31). Der war „lange Jahre schwer aktiv“, wie die Bewährungshelferin sagt, elf Vorstrafen hat er im Register. Im November ‘13 kam er nach fünf Jahren Knast frei. Wegen Drogen-, Diebstahls- und Körperverletzungsdelikten hätte er noch eine Reststrafe von 23 Monaten abzusitzen, dazu die zehn Monate wegen der Hehlerei.

Doch er gibt sich geläutert und berichtet von seiner Therapie und Berufswünschen. Selbst die Staatsanwältin gibt nach. Die Richter setzen seine Strafe zur Bewährung aus – „allerletzte Chance“.

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