Landgericht: Der Mann vom Bau gesteht – teilweise

Lüdenscheid - Ein Lüdenscheider Bauunternehmer, seine Frau und deren Wirtschaftsberater sind wegen Betruges und Bestechung angeklagt. Ein Ex-Bediensteter der Kreisverwaltung muss sich wegen Bestechlichkeit verantworten, seine Frau wegen Beihilfe. Es geht um gefälschte Kreditanträge an die NRW-Bank.

Der dritte Verhandlungstag beginnt mit einem Teilgeständnis. Der Bauunternehmer räumt ein, „allen Kunden ohne Gegenleistung Geld für Eigenkapital“ gegeben zu haben. „Teilweise habe ich es vorgestreckt.“ Dafür, sagt der 61-Jährige, wolle er sich entschuldigen. „Wenn ein Schaden eingetreten ist, werde ich mich an der Regulierung beteiligen.“

Doch von Zahlungen an seinen Jugendfreund für die Manipulation von Kreditanträgen im Kreishaus will der Lüdenscheider nichts wissen. Und von der Trickserei mit dem Eigenkapital-Nachweis habe sein Bekannter auch nichts gewusst. „Ich würde einen alten Schulkollegen nie in eine solche Bredouille bringen.“

"Reiner Freundschaftsdienst"

Damit widerspricht der Angeklagte in wesentlichen Punkten der Aussage des Ex-Kreisbediensteten. Während der Mann vom Amt über ein „Erfolgshonorar“ berichtet, „dass immer erst nach der Bewilligung eines Antrags“ geflossen sei, sagt der Mann vom Bau: „Es ging nur um die Antragstellung.“ Richter Andreas Behrens hakt nach. „Gab’s nicht zwischendurch mal Anrufe, um das Vorgehen abzustimmen?“ Antwort des Unternehmers: „Kann sein, aber der Rest war ein reiner Freundschaftsdienst.“

Auch der Zeitpunkt der Überschreibung seines Hauses samt Grundstück auf seine Frau, um eventuelle Vermögensabschöpfungen des Staates zu vereiteln, stellt der 61-Jährige in Abrede. Dass die Übertragung wenige Monate nach Durchsuchungen durch die Staatsanwaltschaft über die Bühne gehen sollte – „das hat nichts mit dem Fall hier zu tun“, so der Angeklagte. Erwartungsgemäß stützt er damit die Schilderungen seiner Ehefrau.

Ex-Kreisbedienstete bleibt bei seiner Version

Der Ex-Kreisbedienstete bleibt auch angesichts der Aussage seines Mitangeklagten bei seiner Version. Ein Prozessbeobachter wertet das Verhalten des Unternehmers „weniger als Geständnis als eher als Anerkennung der Beweislage“. Im Klartext: Zugegeben wird nur, was ohnehin belegt ist.

"Absichtserklärungen reichen nicht"

Der Vorsitzende Richter kommentiert das Teilgeständnis. „Zum Thema Schadenswiedergutmachung: Absichtserklärungen reichen hier nicht. Da muss schon was Konkretes her!“ Auch im Hinblick auf das Strafmaß, so Behrens weiter.

Wirtschaftsberater sieht sich nur als "Laufbursche"

Erstmals kommt auch der Wirtschaftsberater (60) zu Wort, der an der Trickserei mit den Kontoauszügen beteiligt gewesen sein soll. Er bestätigt: „Mir wurden 10.000 Euro in die Hand gedrückt, dann habe ich mich mit den Kunden in der Bank getroffen.“ Das Eigenkapital habe ja „irgendwie dargestellt“ werden müssen. Dafür habe man die fingierten Kontoauszüge ausgedrückt. „Das war sicher nicht rechtens.“ Doch seine Rolle sei nur die Rolle des „Laufburschen“ gewesen.

Lesen Sie dazu auch:

Prozess um Bestechung und Betrug voller Überraschungen

Telefonate im Gerichtssaal: „Das war total ätzend“

„Ich musste davon ausgehen, da stimmt was nicht

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare