Landgericht: Prozess gegen Deutschrussen vor Ende

LÜDENSCHEID - Ende in Sicht: Im Strafprozess gegen den mutmaßlichen Gewaltverbrecher und Erpresser aus dem sogenannten Russenmilieu in Lüdenscheid setzt das Gericht nach einem halben Jahr Verhandlungsdauer langsam zum „Landeanflug“ an.

Aller Voraussicht nach können die Staatsanwältin und Strafverteidigerin Lena Retschkemann ihre Plädoyers am 30. September halten. Ob an diesem Tag auch das Urteil fällt, ist noch unklar. Zunächst ist für den 17. September ein weiterer Prozesstag eingeplant. Auch gestern beurteilten Prozessbeobachter einen weiteren Versuch von Rechtsanwältin Retschkemann, ihren Mandanten durch Zeugenaussagen zu entlasten, als „eher mäßig erfolgreich“.

Im Zeugenstand lässt sich ein 20- jähriger Bodenleger aus dem norddeutschen Stade über seine Lüdenscheider Vergangenheit aus. Sein erster Blick gilt dem nach wie vor versteinert dasitzenden Angeklagten. Der Zeuge: „Sein Gesicht sagt mir gar nichts.“ Trotzdem fragt Richter Dieter Krause noch mal nach. Ein paar der Namen von russischstämmigen jungen Männern, die er nennt, hat der 20- Jährige schon mal gehört. „Und warum sind Sie aus Lüdenscheid weggezogen?“ – „Ich hatte zu viel Stress. Einer hat mir mal ‘ne Pistole an den Kopf gehalten.“ Es sei um einen Scheckkarten-Betrug gegangen. „Ich wusste da was und sollte die Klappe halten.“

Der Fall

Ein heute 28-jähriger Lüdenscheider soll in seinem Bekanntenkreis Angst und Schrecken verbreitet und sich unter anderem der Körperverletzung und des erpresserischen Menschenraubes schuldig gemacht haben. Er äußert sich nicht zur Anklage. Die Verteidigerin geht davon aus, dass ihr Mandant unschuldig in Taten verstrickt worden ist.

Ein möglicher Zusammenhang zum Angeklagten könnten dessen angebliche Versuche sein, Opfer zum Abschluss von Handyverträgen zu zwingen. Aber auch hier: Fehlanzeige. „Ja“, sagt der Zeuge. „Ein Freund hat mich mal gebeten, einen Vertrag für ihn abzuschließen. Hat aber nicht geklappt.“ Dafür hat der Bodenleger aus Stade anderen Stress. „Ich werde am Telefon bedroht.“ Vor seiner Reise zum Hagener Landgericht habe er noch einen Anruf gekriegt. „Wir machen dich fertig, wir wissen, wo du wohnst“, soll jemand gesagt haben. „Ich habe das aufgezeichnet, für die Polizei.“

Wenig ergiebig auch die Schilderung eines weiteren Zeugen. Er soll es gewesen sein, der dem 20-Jährigen die Pistole an den Kopf gehalten hat. „Davon weiß ich nichts.“ Und Drohanrufe habe er auch nicht losgelassen. „Ich habe gar keinen Kontakt mehr zu ihm, ich weiß nicht mal, wo er wohnt.“ Der Prozess wird am 17. September um 9 Uhr fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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