21-fachen Kindesmissbrauch milde geahndet

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Lüdenscheid - Der Vertreter der Nebenklage, Rechtsanwalt Arnd Katzke, bringt es auf den Punkt: „Der Angeklagte führt sein Leben so weiter, wie er es weiter führen möchte. Er wird sein Glück kaum fassen können.“

Die Entscheidung der 1. großen Strafkammer des Landgerichts gibt ihm Recht: Zwei Jahre mit Bewährung wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in 21 Fällen und zweifacher Körperverletzung.

Der 27-Jährige, zwei Vorstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung, hat zugegeben, Geschlechtsverkehr mit einem 13-jährigen Mädchen gehabt zu haben. Und zwar „oft und regelmäßig“, wie ein Kripo-Mann im Zeugenstand sagt. 

Aber auch einvernehmlich, was sich ebenso wie das umfassende Geständnis mildernd auf das Strafmaß auswirkt. Entscheidend aber ist die Abmachung der Prozessbeteiligten. 

Zumindest juristisch aufgearbeitet

In einem Verständigungsgespräch zu Beginn des Prozesses hatte sich Strafverteidiger Dominik Petereit mit der Staatsanwältin und der Kammer auf eine Strafe geeinigt, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Damit sind die Vorgänge, die sich in einem Dorf bei Brüninghausen ereigneten, zumindest juristisch aufgearbeitet. 

Demnach haben sich das Kind und der doppelt so alte Mann angeblich ineinander verliebt, und „es kam zügig zu sexuellen Handlungen“, wie der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz sagt. Doch die Vertreterin der Anklage meint: „Es gibt keine Liebesbeziehung zwischen einem erwachsenen Mann und einem Kind.“ 

Vielmehr habe es sich um ein „Machtgefälle“ gehandelt. „Er hat sie dominiert. Sie war ihm hörig.“ Auch nach Auffassung der Richter hat der Verurteilte „die jugendliche Verliebtheit und die sexuelle Unerfahrenheit des Mädchens ausgenutzt“. 

Angeklagter gegen Konfliktverteidigung

Bis sich die Beziehung verschlechterte. Der Mann „kontrollierte sie und verbot ihr jeden Kontakt zu anderen Männern“, sagt die Staatsanwältin. Schließlich schlug er sie mehrfach ins Gesicht und boxte ihr in die Rippen. 

In seinem Plädoyer sagt Petereit, diese Sache „hätte man auch anders verteidigen können“. Doch sein Mandant habe keine Konfliktverteidigung gewollt und dem Mädchen auf jeden Fall eine Aussage vor Gericht ersparen wollen. 

Dieser Umstand ist für die Staatsanwältin der einzige Grund, einer Strafmilderung zuzustimmen. Die Folgen für das Opfer sind laut Anwalt Katzke „noch unabsehbar. Sie fühlt sich verhöhnt und manipuliert“ und sei in ärztlicher Behandlung. 

Der 27-Jährige sagt zu Katzke: „Bitte richten Sie ihr aus, dass es mir leid tut.“ Laut Bewährungsbeschluss darf sich der Verurteilte dem Mädchen nicht nähern und muss 1000 Euro an sie überweisen. Außerdem muss er innerhalb eines Jahres ein Antiaggressions-Training absolvieren und bekommt einen Bewährungshelfer.

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