Landgericht: Geständnis nach Vergewaltigung

LÜDENSCHEID/HAGEN - Über seinen Anwalt Dirk Löber hat der 45-jährige Angeklagte ein Geständnis abgelegt. „Er kann sich konkret nicht an die Taten erinnern. Er kann aber auch nicht ausschließen, dass sich das Geschehen so wie in der Anklage beschrieben zugetragen hat“, sagte Löber und sein Mandant stimmte dem zu.

Das Geständnis hatte eine sehr positive Folge: Die vier Kinder des Opfers mussten von ihren Beobachtungen nicht als Zeugen im Gerichtssaal berichten. Ihrer 40-jährigen Mutter blieb wegen der Gedächtnislücken des Angeklagten die Aussage aber nicht erspart. Sie berichtete von einer anfangs positiven Beziehung, die immer mehr in die Krise geriet, als er zunehmend strenger zu ihren Kindern wurde. „Als ich mich trennen wollte, wurde es schwierig.“ Als ihm „die Hand ausrutschte“, sei es vorbei gewesen.

Sie habe Gewalterfahrungen in ihrer ersten Beziehung gemacht, sagte die Zeugin. So etwas habe sie nie wieder erleben wollen. Den Willen zur Trennung habe sie aber wegen ihrer körperlichen Unterlegenheit zunächst nicht umsetzen können. „Er hat sich weiterhin bei mir in der Wohnung aufgehalten.“

Drei Wochen vor der Vergewaltigung verhinderte die Präsenz ihres kleinen Sohnes einen sexuellen Übergriff des Angeklagten, der daraufhin aus Wut einen Schlafzimmerschrank zerlegte. In der Tatnacht kam er stark angetrunken nach Hause, stieß wüste Beleidigungen aus, drohte, schlug und biss und nahm sich schließlich mit Gewalt etwas, worauf er an seinem Geburtstag ein Anrecht zu haben behauptete.

Am nächsten Tag gingen die Demütigungen weiter: „Ich solle daran denken, dass ich am Abend wieder fällig wäre“, erinnerte sich die Zeugin an eine Drohung. Das aber wusste sie zu verhindern. Vor allem Gespräche mit Freunden hätten ihr geholfen, damit fertig zu werden, sagte die 40-Jährige, die kaum nennenswert auf psychologische Hilfe zurückgriff.

Umringt von ihren Kindern verließ sie schließlich das Gerichtsgebäude und überließ dem psychologischen Gutachter Dr. Bernhard Bätz das Wort. „Wäre der Alkohol nicht gewesen, säßen wir heute nicht hier“, zeichnete er das Bild eines alkoholkranken Mannes. Aus der Verantwortung für sein Tun entlassen wollte er den 45-Jährigen dennoch nicht: Die zielsichere Gestaltung des Tatablaufs zeige, dass der Angeklagte durchaus noch gewusst habe, was er tat. - thk

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare