Landgericht: Es zählt die Summe der Kleinigkeiten

Strafverteidiger Andreas Trode mit seinem Mandanten

Lüdenscheid - Es geht um jedes Detail. Die Summe zahlloser Kleinigkeiten spielt im Strafprozess gegen „Vassili“ eine Rolle, die nicht unterschätzt werden darf. So tritt, am letzten Tag des Prozesses gegen den Lüdenscheider in diesem Jahr, eine Reihe von Kaufleuten in den Zeugenstand.

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert. Der Prozess soll bis Mitte Januar dauern.

Sie können zu direktem Tatgeschehen keine Erkenntnisse beisteuern. Aber sie bestätigen, was die Staatsanwaltschaft als Randgeschehen bezeichnet. Ziel ist es, den Inhalt der Akten in den Prozess einzuführen und sich von Beteiligten bestätigen zu lassen, wo Lücken oder wo die Papierform mit konkreten Erinnerungen in Einklang zu bringen sind.

Bei einem der Zeugen handelt es sich um einen Ermittler der Deutschen Bank. Er hat diverse Anträge auf Konteneröffnung und den Verlauf von Geldgeschäften mit diesen Konten analysiert. Und er hat Fotos von Bankautomaten mitgebracht, die einen Geldabheber bei Transaktionen mit verdächtigen Konten zeigen.

Eine Angestellte der Lüdenscheider Filiale dieser Bank hat beobachtet, wie ein Konto eines der mutmaßlichen Opfer des Angeklagten mit technischen Tricks mit dem Doppelten der Verfügungssumme belastet wurde. „Als ich den Kunden darauf angesprochen habe, sagte er mir, er sei genötigt worden, die Scheckkarten und den Pin-Code rauszurücken.“ Sie habe ihm darauf empfohlen, Strafanzeige zu erstatten.

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Auch Kaufleute, die in Handyshops und Einkaufszentren Mobilfunk-Verträge an den Mann bringen, tragen – wenn auch teilweise mit großen Erinnerungslücken – zu Wahrheitsfindung bei. Die Spuren enden jeweils beim Angeklagten, der mit jungen Lüdenscheidern Einkaufstouren unternommen und allem Anschein nach deren Namen und Vermögenswerte für seine Zwecke missbraucht hat.

„Vassili“ selbst, der äußerlich einen extrem angespannten und mit tiefen Schatten unter den Augen auch kränklichen Eindruck macht, schweigt an diesem Verhandlungstag. Auch sein Strafverteidiger, Rechtsanwalt Andreas Trode, nimmt ausnahmsweise Abstand von seiner ansonsten hartnäckigen und offensiven Vernehmungsweise. Sogar den Raubsachbearbeiter der Kripo, der minutiös gegen seinen Mandanten ermittelt hat, lässt Trode in Ruhe aussagen. ‘ Bericht folgt

Von Olaf Moos

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