Landgericht: Die ersten Bauherren sagen aus

Lüdenscheid - Ein Lüdenscheider Bauunternehmer, seine Frau und deren Wirtschaftsberater sind wegen Betruges und Bestechung angeklagt. Ein Ex-Bediensteter der Kreisverwaltung muss sich wegen Bestechlichkeit verantworten, seine Frau wegen Beihilfe. Am vierten Verhandlungstag haben die ersten „kleinen“ Bauherren dazu ausgesagt.

Die 1. große Wirtschaftsstrafkammer am Hagener Landgericht hat mit der akribischen Aufarbeitung der Vorgänge rund um die zweifelhafte Finanzierung von privaten Bauvorhaben begonnen. Jetzt haben die ersten „kleinen“ Bauherren dazu ausgesagt.

Zuvor hatten sich Beschäftigte des Märkischen Kreises zu internen Vorgängen im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Förderanträgen geäußert. Danach hatten mehrere Ex-Kollegen des Angeklagten den vagen Verdacht, dass mit den Formularen „etwas nicht stimmt“, wie ein Zeuge sagt. Doch Unstimmigkeiten – wie etwa auf einem Zettel die handschriftliche Ankündigung eines Verwandten des Bauherren, dem das nötige Eigenkapital schenken zu wollen – sind im Kreishaus offenbar nicht ausreichend überprüft worden.

Auch die Häuslebauer stehen nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Fokus und werden wegen Betruges gesondert verfolgt. Immerhin haben sie – wie auch der Bauunternehmer in einem abgehörten Telefonat festgestellt hat – die fingierten Anträge letztlich unterschrieben.

Die ersten drei von insgesamt 21 Bauherren haben die komplizierten Förderanträge nach eigenen Angaben vor der Unterschrift „gar nicht durchgelesen“. Man habe einfach unterzeichnet, was vorgelegt wurde, hieß es am Landgericht. Dabei rückt der Wirtschaftsberater des Baulöwen plötzlich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der 60-Jährige, der sich selbst lediglich als „Laufbursche“ des Unternehmers betätigt haben will, soll demnach federführend bei der windigen Finanzierung gewesen sein.

Der Prozess wird am 5. Oktober um 9 Uhr im Saal 101 fortgesetzt.

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