Landgericht: Dealer bleibt auf freiem Fuß

Lüdenscheid - Ursprünglich ging es um den Handel mit rund zwölf Kilo Marihuana. Dafür verurteilte die 9. große Strafkammer des Hagener Landgerichts den 27-Jährigen im August vergangenen Jahres zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Doch seine Verteidiger, Frank Becker und Michael Aßhauer aus Hagen, legten Revision ein. Und tatsächlich: Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil auf und verwies den Fall zurück – zu erneuten Verhandlung. Seit gestern steht fest: Der junge Mann kommt mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon.

Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn findet deutliche Worte in seinem Plädoyer. „Wenn dieses Urteil durch die Justizvollzugsanstalten gereicht wird, werden dort bittere Tränen vergossen.“ Soll heißen: Manch ein Dealer, der wegen geringerer Drogenmengen seine Strafe absitzen muss, hätte sich solch ein mildes Urteil auch gewünscht.

Doch selbstverständlich ist solch eine günstige Wendung für einen Angeklagten sicher nicht. Der BGH hatte das Urteil beanstandet, weil „die genaue Anzahl der Taten für einen bestimmten Zeitraum nicht hinreichend festgestellt worden“ sei. So hatte das Urteil für 36 Fälle, in denen der Lüdenscheider bei einem Zwischenhändler „Gras“ gekauft und zum Großteil an andere Konsumenten weiterverkauft haben soll, keinen Bestand.

Der Angeklagte ist um einen soliden Eindruck bemüht. Er taucht im Gefolge seiner Eltern, seiner Brüder und seiner Verlobten vor Gericht auf und berichtet über seine gerade begonnene Ausbildung zum IT-Systemkaufmann. Das bringt ihm eine günstige Sozialprognose ein, zumal sein Vorstrafenregister überschaubar ist. Außerdem hat er sich Vergünstigungen erarbeitet, indem er unter anderem den Namen seines Lieferanten verraten hat.

Der, ein Industriemechaniker aus Breckerfeld, ist inzwischen verurteilt. Die Kripo hat mehr als 800 Gramm Rauschgift bei ihm gefunden. Im Zeugenstand bestätigt er, dem jungen Angeklagten im fraglichen Zeitraum insgesamt 1,6 Kilo verkauft zu haben, „so einmal im Monat 100 Gramm“. Das deckt sich mit den Angaben des 27-Jährigen. Von den 36 Fällen bleiben also 15 übrig. Den Rest aufzuklären und nachzuweisen, „kriegen wir nicht auf die Reihe“, sagt Richterin Isabell Hoffmann.

Haldorn nennt die Urteilsfindung „Rechenspiele“. Becker und Aßhauer sind zufrieden. Für ihren Mandanten ist entscheidend, „was hinten rauskommt“, sagen sie.

Von Olaf Moos

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