Landgericht: Ein Blick auf zwei „Karrieren“

Lüdenscheid - In der Strafjustiz gilt das Prinzip der Mündlichkeit. Fakten, die längst aktenkundig sind, können nicht einfach als bekannt vorausgesetzt, sondern müssen per Verlesung in den Prozess eingeführt werden. Zum Beispiel die „Karrieren“ der Angeklagten. Deshalb liest der Vorsitzende der 1. großen Jugendstrafkammer, Richter Marcus Teich, aus Anklagen und Urteilen vor.

Zum Beispiel gegen den älteren der beiden Angeklagten. Vor einer Diskothek am Rathausplatz leistet er Widerstand gegen Polizisten, schlägt wild um sich und muss überwältigt werden. „Ich schicke deine Mutter auf den Strich“, schreit er einen Polizisten an. Das bringt ihm 2100 Euro Geldstrafe ein.

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Der Jüngere macht durch eine versuchte gemeinsame schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit Nötigung und Körperverletzung von sich reden. Mit einem Kumpel fängt er in der Kluse einen Jungen ab, der angeblich noch Schulden bei ihm hat. Sie drücken ihm eine Tüte in die Hand, darin liegt eine Handgranate, nehmen ihn mit in eine Wohnung an der Elsa-Brandström-Straße und bedrohen ihn mit einem Messer und mit einem Luftgewehr, bevor sie ihn verdreschen. Ein Jahr und sechs Monate gibt es dafür – mit Bewährung.

Zusätzlich gibt es Erkenntnisse gegen den jungen Lüdenscheider, die ihn auch nicht in besserem Licht erscheinen lassen. Darunter Verfahren wegen Drogenbesitzes, gemeinschaftlichen Raubes oder versuchter Nötigung. Für Andreas Trode und Dirk Löber als seine Verteidiger gibt’s dazu nicht viel zu sagen.

Strafverteidiger Burkhard Benecken hat einen Schriftsatz vorbereitet, um für seinen Mandanten zu punkten. Er schildert das „ehrliche Bedauern“ des Lüdenscheiders darüber, was der jungen Prostituierten in Hagen widerfahren ist. Und er habe im Januar als erste Wiedergutmachung 1500 Euro an die junge Frau überwiesen und würde sich gerne auch persönlich bei ihr entschuldigen.

Doch die Gegenseite winkt ab. Nebenklagevertreterin Petra-Maria Borgschulte schirmt ihre Mandantin ab. Doch ein symbolisches Schmerzensgeld von 2500 Euro werde akzeptiert, heißt es in der schriftlichen Antwort an den Verteidiger.

Von Olaf Moos

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