Geprügelt wie Berserker: 28-Jähriger vor Gericht

Lüdenscheid - Zwei stämmige Schläger gegen einen jungen Schlaks – wie die Berserker sind sie über ihn hergefallen. Sie prügelten den heute 23-Jährigen quer durch seine Wohnung an der Wilhelmstraße, bedrohten ihn, raubten ihn aus, fesselten ihn und schlugen und traten ihn krankenhausreif.

Einen der Täter verurteilte die Justiz schon zu sieben Jahren. Der andere (28) sitzt seit seit Juli in U-Haft und jetzt vor der 9. großen Strafkammer des Landgerichts auf der Anklagebank. Sein Tatmotiv ist fraglich.

„Er sagte, ich sollte mal mit zur Wilhelmstraße in diese Wohnung kommen. Der Typ dort hätte bei Facebook geschrieben, er sei froh über den Tod des Kindes.“ Gemeint ist der kleine Sohn des bereits Verurteilten, der im Sommer 2012 bei einem Badeunfall in Ägypten gestorben ist. Als der trauernde Vater seinen Kumpel zu dem „Hausbesuch“ überredet, besaufen die beiden sich schon 14 Stunden lang. Seit abends im Alibi an der Grabenstraße und dann – als der Laden vormittags um 10 Uhr schließt – im Brauhaus. 20 bis 30 große Biere pro Kopf, jeder zehn bis 20 Schnäpse dazu und eine Portion Kokain, und der vermeintliche Rachefeldzug geht los.

Der Angeklagte, selbst Vater von drei Kindern, mischt eifrig mit. Federführend aber ist sein alter Freund. Doch seltsam: Während der 28-Jährige das schwer verletzte Opfer in Schach hält, geht der angeblich so rachsüchtige Kumpel ins Nebenzimmer und steckt Bargeld, eine Kamera und wohl auch Marihuana ein. Ein Mitbewohner des jungen Mannes und ein weiterer Bekannter kommen hinzu, werden ebenfalls ausgeraubt und eingeschüchtert. „Wir sind Multikulti, das war erst der Anfang. Wehe, ihr geht zur Polizei!“ Also eher ein Vermögens- denn ein Vergeltungsdelikt?

Die Kammer bringt, als weitere Variante, die Ex-Lebensgefährtin des Haupttäters ins Gespräch – Mutter des ertrunkenen Jungen. Sie ist zufällig auch die Ex-Freundin des 23-Jährigen und hat eine Tochter von ihm. Zwischen dem jungen Dealer und der Frau war es jedoch zu Streit gekommen. Ein Gericht hat ein gegenseitiges Näherungsverbot verhängt. „Die hat mich belästigt“, sagt der Zeuge. Und: „Ich hatte die Vermutung, dass sie ihn angestachelt hat.“

Die Tatbeteiligung des Angeklagten ist unstrittig. Die Vernehmung seines inhaftierten Kumpels wird sich nun voraussichtlich auf die Hintergründe des Verbrechens richten.

Von Olaf Moos

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