Landgericht: Der Alltag des Kokain-Dealers

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Strafverteidiger Andreas Trode mit seinem Mandanten

Lüdenscheid - Schrittchenweise tastet sich die 4. große Strafkammer an die wahren Gründe für das Verbrechen heran. Der als „Vassili“ in Lüdenscheid bekannte Grieche (28) hatte am ersten Prozesstag zugegeben, mit Kokain gehandelt zu haben – allerdings eher pauschal. Nun hat seine ehemalige Lebensgefährtin Details aus dem Alltag des Drogendealers geschildert.

Dabei hat die 25-Jährige auch die Namen einiger ehemaliger Kunden preisgegeben.

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert. Der Prozess wird am 8. Dezember um 9.30 Uhr im Saal 201 des Landgerichts fortgesetzt.

„Wir waren zwar schon getrennt, aber wir haben noch zusammen gewohnt“, sagt die zierliche Verkäuferin. Und da habe sie halt mitbekommen, wer so alles zu Besuch bei ihrem Ex war und Kokain in kleinen Plastikkügelchen gekauft hat. Auch in Cafés in der Innenstadt seien Geschäfte gelaufen. Und „Vassili“ habe ihr berichtet, dass auch die 29-jährige Polin zu seinem Kundenkreis zählt.

Als die Pharmazeutisch-Technische Assistentin – sie brach im Zeugenstand unter dem Druck von bohrenden Fragen des Verteidigers regelrecht zusammen – im April vergangenen Jahres in „Vassilis“ Wohnung an der Glatzer Straße festgehalten, erpresst und bedroht wurde, war auch seine Ex-Freundin anwesend. Die sagt, sie habe „Gespräche gehört, aber nicht verstanden“. Und das Mädchen sei „komisch drauf“ gewesen, als sie es zur Tür begleitet habe, „aber nicht traurig oder ängstlich“.

Diese Schilderung deckt sich nicht mit der Aussage, die die 25-Jährige vor einem Jahr gemacht hatte, als „Vassilis“ Komplize der Prozess gemacht wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte darauf Ermittlungen wegen des Verdachts der Falschaussage eingeleitet, das Verfahren aber später eingestellt.

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Zu Wort kommen auch Zeugen, die Angaben zum Randgeschehen machen können. Eine Polizistin etwa, die die junge Frau in deren verbarrikadierter Wohnung besucht hat und über sie sagt: „Ein normales Leben hat sie nicht mehr geführt.“ Oder ein Bänker, der sich dunkel erinnert, mit ihr und „Vassili“ im Gefolge über einen Kredit verhandelt zu haben. Oder ihr ehemaliger Freund, den sie in Panik und mit einem Messer vor Augen anrief und ihn um eine Bankbürgschaft bat.

Diese Angaben bestätigen die bisherigen Ermittlungsergebnisse. Doch warum die 29-Jährige ihrem Peiniger Geld schuldete, darüber existieren nach wie vor zwei Versionen. - von Olaf Moos

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