Landestheater Detmold zeigt die „Traumnovelle“

Das Ensemble des Landestheaters Detmold zeigte am Abend im Kulturhaus die „Traumnovelle.

LÜDENSCHEID - 1931 verstarb Arthur Schnitzler. Die Vermutung liegt nahe, dass sich der österreichische Erzähler und Dramatiker gestern Abend in seinem Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof umgedreht hat, als gegen Ende seiner „Traumnovelle“ Rammsteins „Amour“ als Untermalung für eine als Videoclip inszenierte Tanzeinlage durch den Theatersaal des Kulturhauses dröhnte.

Das Ensemble des Landestheaters Detmold war zu Gast in der Bergstadt und zeigte am Abend „Abiturstoff“. Kein Wunder also, dass die Reihen überwiegend mit Gymnasiasten gefüllt waren, die sich durch den Theaterbesuch ein wenig Zugang zur Schnitzler-Novelle erhofften. Nun, sehr aufmerksam beobachten und gut aufpassen musste man schon, wollte man nicht den Anschluss an die Handlung verlieren. Während Protagonist Fridolin (Markus Hottgenroth) der Figur des Fridolin durchweg treu blieb, schlüpfte Gattin Albertine (Katinka Maché) in diverse Rollen. Mal gab sie die biedere Ehefrau, deren Ehe eher zu einem Nebeneinanderher-Leben mutiert war, mal jene verruchten Weiber, mit denen sich ihr Mann in seinem Traum zu vergnügen suchte. Fridolins Traum der unerfüllten Begierde wurde noch im Traum zum Alptraum, dann zum Tagtraum und irgendwie auch ein bisschen zum Wunschtraum, ein Doppelleben führen zu können. Ergänzt wurde das Protagonisten-Paar durch die namenlosen „Er“ und „Sie“ (Kerstin und Henry Kindler), die nahezu im Sekundentakt und mit marginalem Aufwand von der Angestellten über den Kostümverleiher hin zum Pferdekutscher die Rollen wechselten – hier und da in feinstem Wiener Schmäh.

Es ging um Gefühle, um Liebe, um die Gratwanderung zwischen Traum und Wirklichkeit, um die Deutung dessen, was die Seele während des Schlafes preisgibt. Insgesamt gesehen allerdings etwas schockgefrostet, wozu nicht zuletzt das kalte Bühnenlicht, ein überdimensionaler Mond und irgendwie auch eine Rammstein-Komposition beitrug. Im Grunde lebt die Novelle als solches von ihren klaren Strukturen. Die waren zwar nicht immer erkennbar, aber dem Landestheater ist eine ordentliche Inszenierung gelungen. - rudi

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