Vemegerichte und ihre Geheimnisse

Landrat Thomas Gemke und Kreisarchivarin Christiane Todrowski würdigen den Regionalforscher Eberhard Fricke (links).

LÜDENSCHEID - Mit ihrer neuesten Veröffentlichung würdigt die Landeskundliche Bibliothek des Märkischen Kreises die Verdienste von Dr. Eberhard Fricke um die Erforschung und Vermittlung landeskundlicher Themen.

Landrat Thomas Gemke und Kreisarchivarin Christiane Todrowski überreichten dem 81-jährigen Regionalhistoriker persönlich die druckfrische Ausgabe der Bio-Bibliografie. Erst sechs renommierten Persönlichkeiten widmete die Landeskundliche Bibliothek eine solche Würdigung ihres schriftstellerischen Schaffens. Das Werkverzeichnis mit mehr als 150 Titeln hat Karin Müller, Bibliothekarin der Landeskundlichen Bibliothek zusammengetragen. Die biografischen Hintergrundinformationen lieferte Frickes Freund aus Schülertagen, Professor Günter Spieß, langjähriger Denkmalbeauftragter der Stadt Lüdenscheid.

Der in Lüdenscheid aufgewachsene Eberhard Fricke hat seit den 50er-Jahren zahllose Beiträge zur Landeskunde der Grafschaft Mark veröffentlicht. 1957 promovierte er in Bonn über die Geschichte des Stilkinger Lehnrechts und veröffentlichte seine Forschungsergebnisse im selben Jahr erstmals im „Märker“. Juristischen Themen ist er seither treu geblieben. Von besonderer Bedeutung sind hierbei seine Forschungen zur süderländischen Freigerichtsbarkeit, der „Veme“, mit denen er sich in der Fachwelt einen einzigartigen Ruf erwirkt hat.

In Westfalen, und hier besonders im Süderland gab es ungewöhnlich viele Freistühle, an denen die geheimnisumwitterten Gerichtsverhandlungen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit durchgeführt wurden. Die süderländischen Vemegerichte verhandelten Prozesse aus dem gesamten deutschen Reich und galten als die ultimative Rechtsinstanz. Sogar Kaiser waren geehrt, dem illustren Kreis der „Wissenden“ anzugehören. Ihr Ruf als Geheimgerichte hängt mit der ritualisierten Zustellung des Einladungsschreibens (Vemebrief) zusammen sowie vor allem mit den zahlreichen Todesstrafen (Aufhängen), die in der Regel sofort und an Ort und Stelle ausgeführt wurden.

Die 55 Seiten umfassende Broschüre kostet drei Euro und kann bei der Landeskundlichen Bibliothek des Märkischen Kreises (Fachdienst Kultur, Bismarckstraße 15 in 58762 Altena, Tel. 0 23 52/96 67 053 oder E-Mail k.mueller@maerkischer-kreis.de) bestellt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare