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Schlimmer Verdacht: Speditionen schicken Lkw nachts durch Lüdenscheid

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Mehr als 20 Anwohner von Siedlungsweg, Am Ostenhagen und Preußborn trafen am Dienstag auf Bürgermeister Sebastian Wagemeyer.
Mehr als 20 Anwohner von Siedlungsweg, Am Ostenhagen und Preußborn trafen am Dienstag auf Bürgermeister Sebastian Wagemeyer. © Carolina Ludwig

In den vergangenen Tagen wurden in Lüdenscheid einige Lkw-Durchfahrtsverbote eingerichtet, um Anwohner und Straßen zu entlasten. Das hat die Verkehrslast auf der Hauptumleitungsstrecke noch stärker konzentriert, doch auch dort gibt es Anwohner. Diese wandten sich nun Hilfe suchend an Bürgermeister Sebastian Wagemeyer.

Lüdenscheid – Das Auto steht mitten auf der Landstraße Im Grund, kurz hinter einer Kurve. Der Blinker nach links ist gesetzt, doch im Gegenverkehr tut sich keine Lücke auf. Im Rückspiegel nähert sich ein Lkw mit hoher Geschwindigkeit. „Da wird einem richtig schlecht. Wir haben wirklich Angst“, sagt Cornelia Schüttler. Sie gehört zu den Anwohnern von Siedlungsweg, Am Ostenhagen und Preußborn, die sich am Dienstag mit Bürgermeister Sebastian Wagemeyer und Verkehrsplaner Christian Hayer treffen.

Nicht nur die teilweise gefährliche Abbiegesituation, sondern auch der Lärm der A45-Hauptumleitungsstrecke belastet die Anwohner seit Anfang Dezember. „Mittlerweile hat sich bei den Lkw-Fahrern rumgesprochen, dass man in Lüdenscheid am besten nachts unterwegs ist. Ab 21.30 Uhr ist hier Rushhour“, sagen die Anwohner. Viele Fahrer würden sich außerdem nicht an die erlaubten 70 km/h halten oder die Grundstücke an der Einmündung als Toilette nutzen. Und seit auf anderen Strecken Durchfahrtsverbote für Lkw gelten, um die dortigen Anwohner und den Verkehr zu entlasten, habe sich die Lage Im Grund verschlimmert.

„Eine gut gemeinte Idee, aber es geht zulasten der Anwohner hier“, findet Martin Krings. Gemeinsam mit seinen Nachbarn hat er das Treffen mit Wagemeyer organisiert, der erste Versuch, an der Situation etwas zu ändern, ist es jedoch nicht. „Gordan Dudas war Ende Dezember hier, wir haben Kontakt zur CDU, und auch überregionale Medien waren vor Ort“, zählen die Anwohner auf. Dem Landtagsabgeordneten Dudas hätten sie auch eine Liste von Verbesserungsvorschlägen mitgegeben, auch an die extra für die A45-Sperrung eingerichtete E-Mail-Adresse haben die Anwohner geschrieben, passiert sei allerdings nichts.

Um die Situation an der Einmündung zu entschärfen, hatten Anwohner schon lange Tempo 50 gefordert.
Um die Situation an der Einmündung zu entschärfen, hatten Anwohner schon lange Tempo 50 gefordert. © Carolina Ludwig

„Wir stehen hier, weil uns Hilfe von der Stadt Lüdenscheid fehlt“, erklärt Martin Krings. Die fehlende Rückmeldung der Stadt erklärt Wagemeyer mit der hohen Anzahl an Mails, die momentan bei der Stadt eintreffen. „Das sind Hunderte. Deswegen freue ich mich, dass wir jetzt miteinander reden können“, sagt er. Die Problematik sei ihm bewusst: „Das ist eine Katastrophe, eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität und gesundheitsschädlich.“

Den Hoffnungen der Anwohner muss Wagemeyer jedoch einen Dämpfer verpassen: „Ich bin der falsche Ansprechpartner. Wir als Stadt sind das letzte Glied in der Nahrungskette.“ Die Zuständigkeit für die Straße Im Grund liege beim Landesbetrieb Straßen.NRW.

Auch die meisten Vorschläge der Anwohner wie Fahrverbote, eine generelle Lkw-Maut in Lüdenscheid, ein Fahrstreifen für Linksabbieger oder Lärmschutzwände seien schwer oder gar nicht zu realisieren.

Am Mittwoch stellte Straßen.NRW die Tempo-50 Schilder auf. Die Geschwindigkeitsbegrenzung war schon vor einiger Zeit von der Stadt angeordnet worden.
Am Mittwoch stellte Straßen.NRW die Tempo-50 Schilder auf. © Bettina Görlitzer

Am meisten versprechen sich die Anwohner von der geforderten und bereits angekündigten Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 50. Der Geräuschpegel könne gesenkt und die Situation für Linksabbieger entschärft werden. Warum das Tempolimit Im Grund am Dienstag noch nicht gilt, können auch Wagemeyer und Hayer nicht beantworten: „Die Stadt hat es angeordnet, jetzt ist Straßen.NRW am Zug. Wir haben denen schon x-mal auf die Füße getreten“, erklärt der Bürgermeister. Erfreulich für die Anwohner: Einen Tag später werden die Tempo-50-Schilder tatsächlich stehen.

Das Gespräch mit den Anwohnern verlässt Wagemeyer mit dem Versprechen, den Kontakt zu Straßen.NRW als Ansprechpartner herzustellen. „Und wir werden diese Punkte weiterhin in allen Diskussionen vertreten.“

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