Lärm und Randale:

Altstadt-Anwohner verzweifeln wegen Kneipe in der Nachbarschaft

+
Zahlreiche Altstadt-Anwohner um Gudrun Behrla und Otto Bodenheimer (links) erwarten Antworten von den Bürgermeister-Kandidaten.

Seit Monaten sehen sich zahlreiche Anwohner der Lüdenscheider Altstadt um ihre nächtliche Ruhe gebracht. Quelle der Lärmbelästigung ist nach Worten des Hauseigentümers Otto Bodenheimer ein Lokal an der Marienstraße.

Lüdenscheid - Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen, die zuständigen Behörden zum Einschreiten zu bewegen, nutzten Bodenheimer und seine Nachbarin Gudrun Behrla am Mittwoch den Wahlkampf der beiden Bürgermeister-Kandidaten Sebastian Wagemeyer und Christoph Weiland. 

Auf dem Sternplatz überreichten Behrla und Bodenheimer den Politikern Unterschriftenlisten, einen kleinen Fragenkatalog, detaillierte Lärmprotokolle und weiteren Schriftverkehr. Umschläge mit den entsprechenden Papieren landeten gleichzeitig beim Bürgermeister, in der Stadtverwaltung und den Ratsfraktionen. 

Bodenheimer: „Wir bemühen uns um eine Beruhigung der Lage, stattdessen wird es immer schlimmer.“ Bereits im Juni hatten Anlieger der Marien- und der Herzogstraße im Gespräch mit einem Vertreter des Ordnungsamtes auf das wachsende Problem aufmerksam machen wollen. 

"Das funktioniert alles nicht"

Die Empfehlung aus dem Rathaus lautete: „Um sicherzustellen, dass Vorfälle aktenkundig werden, sollte folgender Weg eingehalten werden: Anruf bei der Kreisleitstelle der Feuerwehr, die benachrichtigt das Ordnungsamt, das Ordnungsamt informiert die Polizei.“ 

Doch die Erfahrungen der Beschwerdeführer zeigen laut Gudrun Berhla: „Das funktioniert alles nicht.“ Denn der Ansprechpartner in der Kreisleitstelle kenne den Instanzenweg gar nicht. Ob laute Gespräche vor der Kneipentür, ob Keilereien oder das Klirren eingeschlagener Fensterscheiben – mit ihren Lärmprotokollen wollen die geplagten Nachbarn das nächtliche Treiben in der Altstadtstraße dokumentieren. 

Ein Auszug: „20. September, 4 Uhr. Mehr als 15 Männer liefern sich eine heftige Diskussion, zwei Männer werden von anderen daran gehindert, aufeinander loszugehen (...) Zum Abschied wirft einer von ihnen eine leere Flasche (...) Kurz vor 5 Uhr gehen alle müde nach Hause und wir stehen unausgeschlafen auf.“ 

An anderer Stelle ist immerhin von einem Platzverweis durch Polizisten die Rede – aber auch von einem hupenden Taxifahrer, morgens um 2.50 Uhr. 

"Das Ordnungsamt misst mit zweierlei Maß"

Wie Otto Bodenheimer sagt, messe das Ordnungsamt der Stadt mit zweierlei Maß. „Im Fall des neu eröffneten Capitols genügte ein konkreter Anlass an einem Wochenende, um sofort die Sperrzeit für den Betrieb von Freiflächen auf 22 Uhr vorzuverlegen.“ An der Marienstraße werde „seit Jahr und Tag dagegen verstoßen, ohne dass es jemals eine Sanktion gegeben hätte.“ 

Eine behördliche Reaktion gab es dennoch, nachdem Gudrun Behrla die Situation eines nachts mit ihrem Smartphone festgehalten hat. Da erhielt sie einen Brief von der Polizei. 

Die Wirtin des Lokals beschuldige sie, wiederholt die Polizei geschickt zu haben „unter dem unwahren Grund von Ruhestörungen“. Außerdem soll die Anwohnerin die Wirtin, das Lokal und Gäste verbotenerweise gefilmt und fotografiert haben. 

Die Polizei macht Gudrun Behrla einen weiteren Vorwurf: Denn die Gastronomin hat sie zusätzlich wegen Verleumdung angezeigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare