Lärchenweg: Ärger um Muffenschaden

LÜDENSCHEID ▪ Als die defekte Elektromuffe der Stadtwerke im Februar am Lärchenweg durchknallte, richtete die Überspannung in den Häusern 1 und 3 einen Schaden in Höhe von rund 10 000 Euro an. Die Hausbesitzer Johannes Riedel und Volker Jüngling müssen die Kosten tragen. Die Stadtwerke leisten keinen Schadensersatz. Und haben offenbar Recht damit.

Der Muffenschaden passierte zwar im „Stadtwerke-Hoheitsgebiet“, wie Pressesprecher Andreas Köster gestern sagte – also ein paar Meter vor dem Haus und nicht darin. „Aber wir können nicht haftbar gemacht werden.“ Die Überspannung hätte verhindert werden können, „wenn die Häuser auf dem Stand der Technik ausgestattet“ gewesen wären, so Köster. „Wir können ja nicht vorsorglich jede einzelne der mehr als 100 000 Muffen in Lüdenscheid austauschen.“ Da müsse man die ganze Stadt umgraben.

Dass sie finanzielle Hilfe bekommen, haben Jüngling und Riedel mittlerweile abgehakt. „Es gibt nach einem vergleichbaren Fall in Altena ein Gerichtsurteil, das Schadensersatz ausschließt.“ Und auch die Versicherungen decken den Schaden der Hauseigentümer nicht.

Allein bei Volker Jüngling entstand ein Schaden von etwa 7200 Euro. „Die ganze Telefonanlage, die Antennenverstärker, Backofen, Mikrowelle, Dunstabzugshaube, Reciever, die Steueranlage für die Heizung und alles, was mit TV und Radio zu tun hat – alles kaputt.“ Johannes Riedel hatte zwei Tage und zwei Nächte keine Heizung. „Es war schweinekalt im Haus.“

Aber nicht deshalb, sondern wohl um trotz der Verweigerungshaltung ein positives Signal zu setzen, haben die Stadtwerke den beiden Hausbesitzern je zwei Gutscheine fürs Saunadorf zugeschickt. Jüngling: „Das ist eine Frechheit, die schicken wir zurück.“ Die Anlage vor den beiden Häusern sei ‘88 erneuert worden – und auch als die Zählerableser vor Ort waren oder Monteure die Zähler ausgetauscht haben, „hätte ihnen auffallen müssen, dass hier was nicht stimmt“, so Volker Jüngling. Immerhin haben Stadtwerke-Techniker das Problem nun schnell mit einem Kabel überbrückt.

Der Obermeister der Elektroinnung, Clemens Nestmann, bestätigte gestern, dass es „nicht so teuer“ sei, einen Überspannungsschutz in ein Einfamilienhaus einzubauen. In Industriebauten sei das sogar Pflicht. Besitzer von Privathäusern hingegen seien meist erst nach entsprechenden Schäden für das Thema sensibilisiert. Vielleicht kommt daher das Wort „Muffensausen“.

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