Kostspieliger und aufwändiger

Längere Wartezeiten und Überlastung: Fahrschulen im MK am Limit 

fahrschule lüdenscheid
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Wer jetzt einen Führerschein machen möchte, braucht vor allem zwei Dinge: Einen negativen Coronatest und viel Geduld. Das weiß auch Leonie Rosenbach, die momentan mit ihrem Fahrlehrer Frank Ecker das Einparken übt.

Wer derzeit seinen Führerschein machen möchte, muss vor allem eins mitbringen: viel Geduld. Seit dem 8. März dürfen auch die Lüdenscheider Fahrschulen zwar wieder ihren Regelbetrieb aufnehmen, der Weg zur begehrten Fahrerlaubnis ist jedoch um einiges länger, kostspieliger und aufwändiger geworden.

Lüdenscheid – Wer derzeit seinen Führerschein machen möchte, muss vor allem eins mitbringen: viel Geduld. Seit dem 8. März dürfen die Fahrschulen zwar wieder ihren Regelbetrieb aufnehmen, der Weg zur begehrten Fahrerlaubnis ist jedoch um einiges länger, kostspieliger und aufwändiger geworden.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

In der vergangenen Woche kam dann vorübergehend noch ein weiteres Ärgernis hinzu, das sowohl bei Fahrschülern als auch Fahrlehrern auf Unverständnis und Verwunderung stieß. „Überall gehen die Zahlen runter, überall werden Maßnahmen aufgehoben, und in NRW wird für Fahrschulen jetzt ein aktueller Coronatest vorgeschrieben“, klagte Alexander Schluckwirth, Leiter der Fahrschule Willi Braun GbR.

Fahrschulen im MK am Limit: Riesen Rückstau an Schülern

„Das Leben wird einem schwer gemacht“, merkte er verständnislos an. Eine neue Hürde, die aber nicht einmal eine komplette Woche Bestand haben sollte, bis das Land NRW eine Kehrtwende vollzog und diese Vorgabe wieder aus der Coronaschutzverordnung herausstrich.

Im vergangenen Jahr seien die Fahrschulen nicht einmal erwähnt worden in der Coronaschutzverordnung – und mittlerweile hätten sie einen eigenen Paragrafen.

Die meisten Fahrschulen sind durch Lockdown und Schutzmaßnahmen komplett überlastet. „Wir haben einen riesigen Rückstau. Vom vergangenen Jahr haben wir noch viele Fahrschüler, die wir nicht abarbeiten konnten, und das geht in diesem Jahr so weiter“, beschreibt Schluckwirth die angespannte Situation.

Viele Fahrschüler wollen jedoch nicht so lange auf ihren Führerschein warten und möchten die Fahrschule wechseln. Dabei kommen sie jedoch vom Regen in die Traufe. In der Fahrschule Braun können diese Wechsler nicht mehr angenommen werden. Wer sich neu anmeldet, muss Zeit mitbringen. Schluckwirth: „Motorradfahrern sagen wir ganz ehrlich, dass wir nicht wissen, ob es dieses Jahr noch was gibt. Generell müssen wir allen, die schnell einen Führerschein haben wollen, eine Absage erteilen.“

Fahrschulen im MK am Limit: Kein genereller Aufnahmestopp

Der zeitliche Aufwand für die Umsetzung der Schutzmaßnahmen mache es nicht leichter, den Rückstand wieder aufzuholen. Zwischen zwei Fahrstunden wird das Auto für eine Viertelstunde gereinigt und gelüftet. „Das machen nicht alle Fahrschulen, weil es viel Zeit kostet. Ein Fahrlehrer wird nach Stunden bezahlt, und wenn der am Tag 1,5 Stunden lang lüftet und putzt hat er zwar einen langen Tag, aber nicht mehr Geld verdient. Dafür hat bei uns noch niemand Corona gehabt.“

Jens Bracht von der gleichnamigen Fahrschule versucht der derzeitigen Lage noch etwas Positives abzugewinnen: „Ich kann wieder arbeiten, und das relativ normal“, zeigt er sich erfreut, kann die offensichtlichen Nachteile aber nicht ausblenden. „Wir sind aber durch die Pandemie finanziell wie auch von der Arbeit her stark im Hintertreffen.“

Trotz langer Wartezeiten gibt es in der Fahrschule Bracht keinen generellen Aufnahmestopp. „Ich nehme Anmeldungen von Stammkunden entgegen und wenigen Neuzugängen. Aber ich sage gleich dazu, dass sie Geduld mitbringen müssen. Ich kann auch nicht mehr als arbeiten.“

Ein Verzicht auf den Präsenzunterricht kommt für Jens Bracht nicht in Frage. „Onlineunterricht ist in meinen Augen nicht das Richtige, Fahrschüler vernünftig zu unterrichten. Dabei kann ich auch keine Sozialkompetenz für den Straßenverkehr vermitteln.“

Fahrschulen im MK am Limit: Prüfungs-Wartezeiten als Manko

Ein weiteres Manko sind für Holger Gutke, Leiter der Fahrschule Gutke, die Wartezeiten auf die Prüfungen. Auch hier gebe es seit diesem Jahr einen höheren zeitlichen Aufwand. „Zum 1. Januar gab es eine gesetzliche Änderung, und die Prüfzeiten wurden angehoben“, erklärt Gutkes Büroleiterin Desiree Hinzmann. „Damit stehen pro Prüfungstag etwa 30 Prozent weniger Zeit zur Verfügung als vorher.“ Dank erweiterter Aufgaben, die während der Prüfung bewältigt werden müssen, das Anfertigen eines elektronischen Prüfprotokolls sowie eines abschließenden Feedbackgesprächs dauere die Prüfung jetzt zehn Minuten länger.

Petra Ecker von der Fahrschule Ecker fasst es zusammen: „Wir haben eine unwahrscheinlich hohe Nachfrage. Die kann man zwar befriedigen, das dauert aber im Moment alles länger. Die Prüfungstermine dauern länger, die Behörde braucht länger für die Bearbeitung, die Ausbildung selber dauert etwas länger. Selbst die Warteliste für einen Erste-Hilfe-Kurs ist länger. Für einen Führerschein müssen sie einfach ein bisschen mehr Zeit mitbringen.“

Für die meisten Fahrschüler sei das auch kein Problem, zumindest wäre es nichts Ungewöhnliches für die derzeitige Situation. Das länger gewartet werden muss, „dass erleben sie bei den Behörden, in der Schule, beim Arbeitgeber. Das ist keine große Überraschung.“ Um die höheren Anforderungen und die Umsetzung der Hygienemaßnahmen auszugleichen, haben einige Fahrschulen auch ihre Preise anpassen müssen. Geduld, Geld und Gesundheit sind also die wichtigsten Voraussetzungen für alle, die jetzt ihren Führerschein machen wollen.

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