Laden für Kinderträume: Schubidu macht zu

+
Schubidu-Inhaber Marco Köhler verdient sein Geld inzwischen mit Wochenend-Veranstaltungen und Ballon-Gestaltung: "Der Laden ist eher ein Hobby."

Lüdenscheid - Profi-Spaßmacher Marco Köhler wird über kurz oder lang seine Ladentüren in der Altstadt schließen. 2020 wäre er 30 Jahre selbstständig - das werde er "so oder so" feiern, sagt er. Denn es soll weitergehen: Mit dem Schwerpunkt auf Dienstleistung als Spaßmacher und kreativer Kopf für Veranstaltungen, aber eben ohne eigenes Ladenlokal.

Die Kundin hat vergessen, was sie will. Versunken blickt sie auf Klick-Klack-Kugeln. Schnell bewegt, kreisen die ums Handgelenk, klacken gegeneinander oder den Unterarm. „’tschuldigung, bin gerade 40 Jahre jünger“, seufzt sie, die eigentlich „was in Lila“ für den Geburtstag der Enkelin sucht. Hat Marco Köhler auch. Sogar in mehreren Farbnuancen – „perfekt!“. Sie verlässt Schubidu mit einem Lächeln auf den Lippen.

Wegen solcher Momente liebt der Händler seine beratungsintensive Branche. Doch die verändert sich gerade rasant. So rasant, dass der Laden kaum noch lohnt. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht“, sagt er zum Niedergang des Einzelhandels. 54 wird er, zu lang noch bis zur Rente.

Nun greift Plan B: „Wir leben nur noch vom Dienstleistungsbereich. Da sehe ich die Zukunft.“ In Ballondeko für Feste und Eröffnungen, Veranstaltungsorganisation, Spiel- und Unterhaltung. Kreativität gibt’s nicht per Mausklick. Eine Chance.

„In diesem Ladenlokal sehe ich keinen Handel mehr. Einen Podologen, vielleicht, oder ein Versicherungsbüro.“ Ausgerechnet jetzt, da die namenlose Gasse vor dem Geschäft bald Winkelgasse heißen soll. Auch nicht unproblematisch, denn: Die Haustür-Adresse lautet Kirchplatz 21, die der Ladentür Graf-Engelbert-Platz 3. „Muss ich jetzt umfirmieren?“

Dass die Altstadt umgebaut wird, findet er toll. Nur Geschäfte werde es dann nicht mehr geben. Gastronomie, Kunst, Bildung vielleicht. Das könne man der Stadt nicht vorwerfen: „Keine Stadt ändert ihre Menschen.“

Nicht, dass er nicht alles versucht hätte. 1990 hat er sich selbstständig gemacht, 1999 auch einen Laden im Stern-Center eröffnet. 2008 Umzug in die neue Mall. 2015 verzichtete er darauf, den Mietvertrag wieder zehn Jahre zu verlängern.

Der Handel müsse sich neuen Zeiten stellen. Paket-Stores hätten eine Zukunft, glaubt er, der für die halbe Nachbarschaft Pakete in Empfang nimmt und vom DHL-Mann hört: „Es ist wie Weihnachten an einem stinknormalen Donnerstag.“

Auch Köhler hatte einen Online-Shop. Ein Angestellter hat sich nur darum gekümmert. Gelohnt hat sich’s nicht; an Amazon, sagt er, gehe nichts vorbei. Dann noch die neuen Datenschutzbedingungen – „da hast du als kleiner Mann nichts zu lachen.“ 

Dem professionellen Spaßmacher macht’s keinen Spaß mehr. In drei Jahren hat man ihm ein dutzend Mal Gullideckel in die Scheiben geworfen. Im Weihnachtsgeschäft wurde er überfallen. „Es ist alles derartig verroht in der Innenstadt“, sagt er traurig. Und ein trauriger Spaßmacher – das geht nicht mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare