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Zwei Herren im Bad und ein Mord im MK

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Von: Monika Salzmann

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Ralf Kramp Mord am Hellweg Lüdenscheid
Der Kurzkrimikönig Ralf Kramp stellte seine skurrilen Helden vor. © Jakob Salzmann

Wenn zwei sich streiten, kommt ein Mord dabei heraus – zumindest, wenn der Kurzkrimikönig Ralf Kramp die beiden Vorsitzenden zweier verfeindeter Vicco von Bülow-Vereine in die Müller-Lüdenscheidt’sche Badewanne schickt. Wie im Sprichwort freute sich der Dritte, der – pfiffige Schlusspointe – gänzlich unerwartet aus einer völlig anderen Humoristen-Ecke kam.

Lüdenscheid - Mit seinem neuen Eifelkrimi „Ein Grab für zwei“ und seiner exklusiv für Lüdenscheid geschriebenen Kurzgeschichte „Herr Müller kommt nach Lüdenscheid“, die im zehnten „Mord am Hellweg“-Storyband nachzulesen ist, machte der bekannte Krimiautor am Dienstag in der Stadtbücherei Station. Vor (unter Coronabedingungen) ausverkauftem Haus holte Ralf Kramp seine pandemiebedingt bereits zweimal verschobene „Mord am Hellweg X“-Lesung nach.

Im Namen der Festivalleitung, von VHS und Bücherei hieß Mareike Dolata vom Westfälischen Literaturbüro in Unna die Krimifans zur vergnüglichen Begegnung mit dem „Großmeister des schwarzen Humors“ willkommen. 2022 werde das Festival wieder stattfinden, lautete ihr Versprechen. In Auszügen aus „Ein Grab für zwei“ machte Ralf Kramp neugierig auf den zehnten Fall seines skurrilen Helden Herbie Feldmann und dessen allgegenwärtigem (unsichtbaren) Begleiter Julius

Schilderte er im Prolog gewohnt schwarzhumorig immer atemloser, immer verzweifelter die Versuche eines Mörders, auf einer Anhöhe inmitten eines heraufziehenden Gewitters eine Leiche zu vergraben, lernten die Zuhörer im zweiten Auszug aus dem jüngsten Eifelkrimi Herbie Feldmann und Julius höchstpersönlich sowie einen ruppigen, unwirschen Pächter einer Tankstelle, die an einer Straße ins Nirgendwo lag, kennen.

Loriot Badewanne Müller Lüdenscheidt
Die Ente blieb in Kramps Beitrag zu „Mord am Hellweg“ draußen. © Cedric Nougrigat

In Dialogform, mit verstellter Stimme, führte der Autor eine bizarre Krankenhausszene bildhaft vor Augen. Rost-Horst, den im Krankenhaus liegenden beinamputierten Tankstellenpächter, Herbie und Julius, die auf die Tankstelle aufpassen sollten, verwickelte er darin in ein seltsames, nach wohl gehüteten Geheimnissen „riechendes“ Gespräch. Lust, den neuen Krimi zu lesen und mehr über den Fall zu erfahren, machte der Eifelautor mit den beiden Appetithäppchen allemal.

Stadtführung mit Rolf Kürby

Was ihm nach einer Stadtführung im Vorjahr mit Stadtführer Rolf Kürby zu Lüdenscheid eingefallen war, ließ der Gast aus der Vulkaneifel anschließend in seiner schwarzhumorigen Kurzgeschichte wissen. Zwei sich hassende Loriot-Experten – Wulf-Dietrich Müller aus Stuttgart von den Humorfreunden Vicco von Bülow und Dr. Konstantin Brösecke aus Kiel von den Loriot Enthusiasten Deutschlands – ließ er dabei mit geübtem Blick Lüdenscheid erkunden und als „Herren im Bad“ in der Badewanne landen.

Regisseur Hans Müller, ein gebürtiger Lüdenscheider, der Filme wie „Drillinge an Bord“ drehte, spielte in der Kurzgeschichte eine wichtige Rolle. Sichtlich amüsiert folgten die Zuhörer Kramps illustrem Streifzug durch die Stadt, die er in Person der beiden Loriot-Experten – sich spinnefeind - unternahm.

Eigener schwarzer Humor mischte sich während der Lesung köstlich mit Anspielungen auf den Loriot’schen Humor, bis die Streithähne am Ende in der Badewanne saßen und der Tod aus einer gänzlich unerwarteten Ecke kam. „Ein Mord war Pflicht“, meinte Mareike Dolata mit Blick auf die Anthologie „Mord am Hellweg X“ bedeutungsvoll.

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