"Noch keine Krise"

Kurzarbeit-Welle erreicht MK! Mehr als 5.000 Beschäftigte schon betroffen

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Mehrere Betriebe im MK mussten Kurzarbeit anmelden. 

Märkischer Kreis – Mehr als 5000 Menschen im Märkischen Kreis waren bis Stand Mai 2019 von drohender Kurzarbeit betroffen. Aber nicht alle Betriebe haben sie realisiert. Doch auch sonst sieht es nicht optimal aus: mehr Arbeitslose, weniger Stellen. Die Prognosen sind trotzdem gut. Ein Überblick:

Der Arbeitsmarkt im Märkischen Kreis (MK) hat sich 2019 im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. Doch Grund zur Sorge ist das laut Arbeitsagentur-Chefin Sandra Pawlas und Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters MK, nicht. „2018 hatten wir Spitzenwerte, doch auch jetzt haben wir noch eine robuste Beschäftigung“, sagt Pawlas. 

Dennoch ist der MK das Schlusslicht in Nordrhein-Westfalen (NRW). Allerdings: „Wir haben hier auch eine andere Wirtschaftsstruktur. Wir sind die Region, die einen schwächelnden Markt als erstes spürt. Die anderen Regionen ziehen in der Hinsicht langsam nach. Wir sind weit entfernt von einem Schreckensszenario.“ Doch die Aussichten seien Prognosen zufolge zumindest ab der zweiten Jahreshälfte 2020 positiv. 

Arbeitslosigkeit 

2018 lag die Zahl der Arbeitslosen im MK im Jahresdurchschnitt unter 14.000, damit unterschied es sich deutlich zu den Vorjahren seit 2012: In denen lag die Arbeitslosigkeit über oder nur knapp unter 15.000. 2019 stieg sie um 5,3 Prozent an: Das waren 716 Arbeitslose mehr, insgesamt 14.109. 

Verglichen mit anderen Arbeitsmarktregionen in NRW sticht die Entwicklung im MK hervor. Denn lediglich in Südwestfalen stieg die Arbeitslosigkeit ebenfalls an, um 1,1 Prozent. Überall sonst sank sie (siehe Grafik). Eine Schwierigkeit sei, dass dringend Fachkräfte gesucht und weniger Helferstellen besetzt werden. „Die Betriebe suchen qualifizierte Menschen“, sagt Pawlas.

Doch viele Bereiche seien nach wie vor nicht attraktiv: „Wir würden zum Beispiel gerne viel mehr im Handwerk fördern, aber unsere arbeitslosen Kunden springen nicht darauf an. Das wird noch mit Blaumann und ,Maloche‘ verbunden, aber die Arbeit hat sich verändert.“ 

Qualifizierung 

Generell sei der Markt noch aufnahmefähig, obwohl die Stellenangebote leicht rückgängig seien. „Das ist nicht dramatisch, die meisten Stellen sind wegen der Fachkräftesuche nur schwer zu besetzen“, sagt Pawlas. Teilweise werden freie Stellen von den Arbeitgebern aber auch nicht gemeldet, da sie sehr speziell seien. 

Die Agentur für Arbeit Iserlohn habe auch deshalb viel in die Qualifizierung von Mitarbeitern und Arbeitssuchenden investiert, aber bis Ergebnisse sichtbar sind, dauere es einige Zeit. In Zukunft will die Arbeitsagentur noch mehr Menschen in Betrieben weiterbilden. 

Doch viele Arbeitgeber seien trotz guter Voraussetzungen noch verhalten: Denn dank der Förderung durch das Qualifizierungschancengesetz „sind wir finanziell gut aufgestellt. Wir dürfen deutlich mehr unterstützen“, betont Pawlas. Das gelte sowohl für die Weiterbildung der Mitarbeiter als auch für die Betriebe – denn die werden etwa bei Ausfallzeiten finanziell unterstützt. Arbeitnehmer bekommen laut Pawlas weiterhin volles Gehalt und müssten für die Weiterbildung keinen Urlaub nehmen. 

Kurzarbeit 

Dass 2019 weniger Arbeitsstellen als im Vorjahr gemeldet wurden, liegt auch an mehr Kurzarbeit. Denn die Betriebe wollen in dieser Zeit vor allem eins: Mitarbeiter halten. Neue Anstellungen seien dann eher zweitrangig, sagt Pawlas. Denn einmal verlorene Arbeitskräfte kämen selten wieder zurück. 

Mehrere Betriebe im MK mussten 2019 Kurzarbeit anmelden. Tendenz steigend. „Das passt zu den anderen Zahlen, aber wir sind meilenweit entfernt von Krisenzeiten“, sagt Pawlas. In Spitzenzeiten zwischen 2008 und 2009 waren im MK 25.431 Menschen von Kurzarbeit betroffen. Stand Mai 2019 waren es 529, die Kurve der Arbeitsagentur zeigt zu den Vorjahren eine geringe Steigerung. 

„Wir beobachten das natürlich und stehen in engem Kontakt mit den Arbeitgebern.“ Anzeigen für Kurzarbeit gab es deutlich mehr, betroffen sind demnach fast 5500 Menschen. Die Anzeigen verdeutlichen aber nur die Absicht einiger Betriebe, zur Realisierung kommt es nicht immer. Viele informierten sich lediglich über Kurzarbeit, „für den Fall der Fälle“. 

Tendenziell sei die Anzahl in der zweiten Jahreshälfte 2019 gestiegen, auch in den nächsten Monaten werde man im MK auf dem Niveau bleiben. „Wir erwarten sogar eher noch einen Anstieg“, sagt Pawlas. Doch auch hier gelte: Ab Herbst 2020 wird eine stärkere Konjunktur und damit eine Reduzierung der Kurzarbeit erwartet. 

Langzeitarbeitslose 

Die Arbeitslosigkeit im Kreis ist zwar gestiegen, im Jobcenter gab es aber weniger Kontakte. „Es gab 2019 mehr Menschen, die Anspruch auf Arbeitslosengeld I hatten, die bereits länger beschäftigt waren“, sagt Volker Riecke. 

Und: Trotz schwächerer Konjunktur findet ein Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit statt. „Die Arbeitgeber im MK sind sehr einstellungsbereit.“ Das eingeführte Teilhabechancengesetz habe Wirkung gezeigt. 

Durch die Unterstützung seien mehr Betriebe bereit, Menschen eine Chance zu geben, die bereits seit Jahren aus den Tagesstrukturen raus sind. Das gelte auch für geflüchtete Menschen: „Die Zielgruppe hat echte Chancen, viele haben die Deutschkurse absolviert und sind voller Tatendrang“, betont Riecke.

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