Amtsgericht: Aussage gegen Aussage

Kuriose Drogengeschichte: Marihuana in der Waschmaschine

Symbolbild Urteil Gericht Justiz

Lüdenscheid - Marihuana mit dem Gewicht einer Tafel Schokolade haben Polizeibeamte im Mai 2017 in der Waschmaschine eines 34-jährigen Lüdenscheiders gefunden. Der Fund war das vorläufige Ende einer ziemlich komplizierten Geschichte, an deren Anfang der 34-Jährige noch zwei Kilogramm des Rauschgifts in seiner Wohnung gehabt hatte.

So jedenfalls erzählte er es im Amtsgericht Lüdenscheid, wo nicht etwa er selbst, sondern ein 27-jähriger Lüdenscheider auf der Anklagebank saß: Der Vorwurf gegen diesen Mann beruhte allerdings weitgehend auf den Angaben, die der Zeuge mit der zweckentfremdeten Waschmaschine in einer mehrstündigen Aussage bei der Polizei gemacht hatte. 

Seine Bekanntschaft mit dem Angeklagten, den er 2013 oder 2014 kennenlernte, stand offenbar nie unter einem guten Stern: „Ich habe ihm 500 Euro geliehen, die ich nicht wiederbekommen habe.“ Daraufhin gab es eine lange Funkstille, die erst 2016 endete. 

Damals habe ihn der Angeklagte zu ein bisschen Kokain eingeladen, erinnerte sich der Zeuge. Die Droge vernebelte ihm offenbar das Gehirn. Denn nun sei er nach anfänglichem Zögern auf das Angebot des Angeklagten eingegangen, für 8000 Euro zwei Kilogramm Marihuana von dessen Onkel zu kaufen, der im niederländischen Arnheim einen Koffieshop betrieb. 

„Der wollte mir das Geld für den Drogenkauf aus der Tasche ziehen“, vermutete der Zeuge. Er beruhigte sich mit der Auskunft des Angeklagten, dass sich seine Rolle auf die Finanzierung des Kaufs beschränken würde. „Ansonsten würde ich nichts damit zu tun haben.“ 

„Ich konnte doch nicht die Polizei anrufen“ 

Und so nahm der Zeuge einen Kredit von 10 000 Euro auf, die er in bar abhob, um die Lieferung des Onkels zu bezahlen. Doch es kam alles anders, wie sich der Zeuge erinnerte: „Jetzt hatten wir zwei Kilogramm Gras. Ab dem Zeitpunkt, wo ich das zuhause hatte, passierte nur noch Mist.“ 

Seine Freundin flüchtete vor dem Gestank der Ware. Das Portionieren mithilfe einer angeblich vom Angeklagten gelieferten Feinwaage überforderte ihn. Mögliche Abnehmer kannte er auch nicht. Und dann sei auch noch der Angeklagte bei ihm eingebrochen, um das Marihuana zu klauen. Das sei misslungen, weil er nicht auf der Arbeit, sondern krank zu Hause gewesen sei.

 Übliche Reaktionen auf einen Einbruchsversuch waren ausgeschlossen: „Ich konnte doch nicht die Polizei anrufen.“ 

Prinzip Hoffnung bis zum bitteren Ende 

Dennoch pflegte der Zeuge offenbar das Prinzip Hoffnung bis zum bitteren Ende. Nach seinen Angaben teilte er den Stoff nun doch und übergab dem Angeklagten Portionen von 50 oder 100 Gramm. „Der Plan war, dass das seine Leute verkaufen sollten.“ Der Rückfluss des eingesetzten Geldes blieb allerdings ein frommer Wunsch. 

Das zweite Kilogramm wurde schließlich doch noch geklaut – zurück blieben lediglich die von der Polizei am Ende sichergestellten 100 Gramm Marihuana: „Der Rest war noch bei mir in der Waschmaschine.“ 

Der Aufbewahrungsort verdankte sich offenbar der zunehmenden Nervosität des Zeugen: „Ich musste immer dran denken: Da ist was bei dir zuhause – das muss weg. Ich wollte das Zeug nur noch los sein.“ Freunde gaben Ratschläge, wo die Drogen entsorgt werden könnten: „Talsperre – Toilette“. Dazu kam ein fundamentales Misstrauen des Zeugen gegen den Angeklagten, der ihn aus seiner Sicht so böse abgezogen hatte: „Ich dachte, die würden mir die Polizei auf den Hals hetzen.“ 

Der Angeklagte bestritt im Amtsgericht die gesamte Drogengeschichte, wodurch im Strafprozess zunächst Aussage gegen Aussage stand. Das Schöffengericht beschloss deshalb, zur Fortsetzung des Prozesses weitere Beweismittel zu sichern und noch mehr Zeugen zu laden.

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