„In der Schule kann von Normalität keine Rede sein.“

Nur Theorie statt Praxis im Kunstunterricht

Kunstunterricht Lüdenscheid Corona Dagmar Krüger
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Dagmar Krüger kann nicht wie gewohnt unterrichten.

„In der Schule kann von Normalität keine Rede sein“, sagt Dagmar Krüger, Biologie- und Kunstlehrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium. Viele Lehrer strukturieren ihren Unterricht den Hygienebedingungen entsprechend um – doch gerade der Kunstunterricht, der weitestgehend aus praktischen Übungen besteht, wird dadurch in besonderem Maße eingeschränkt.

Lüdenscheid - „Da die Schülerinnen und Schüler nur ihr eigenes Material benutzen und möglichst Abstand halten sollen, sind Unterrichtsformen wie Gruppenarbeit kaum möglich“, erklärt Dagmar Krüger. Ganze Themenbereiche, wie etwa die Druckgrafik, können somit nicht praktisch erlernt werden. Die speziellen Materialien besitzen die Schüler nicht. Normalerweise würden diese von der Schule zur Verfügung gestellt und geteilt. Nun jedoch bleibt es bei der Theorie.

„Anders als für andere Fächer haben sich die Abitur-Vorgaben für Kunst nicht geändert“, erzählt Krüger. In anderen Lehrfächern haben Lehrer nun mehr Auswahlmöglichkeiten, welche der vom Ministerium konzipierten Klausuren sie ihren Schülern stellen. In Kunst sei das schon immer der Fall gewesen. „Auch die Exkursionen sind alle abgesagt worden. Obwohl man wieder etwas planen könnte, bringt das nichts, da man damit rechnen muss, dass es dann nicht stattfinden darf“, führt sie weiter aus. Dabei seien gerade diese Ausflüge von zentraler Bedeutung für den Projektkurs der 11. Klassen.

Der Kurs bietet Teilnehmern die Möglichkeit, ein eigenes künstlerisches Projekt in einer frei gewählten Technik umzusetzen und sich damit gegebenenfalls auch bei einer Hochschule zu bewerben. Die Ideen- und Inspirationsfindung müsse nun ebenfalls digital erfolgen. Ausstellungsbesuche und Gespräche mit Künstlern werden ersetzt durch die Online-Angebote der Museen und Anregungen aus dem Internet. Besonders während des Lockdowns war es eine Herausforderung, die Kommunikation aufrechtzuerhalten, erzählt Krüger. „Zumindest gab es während der Schulschließung etwas Austausch über die digitale Datenbank, in die die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeiten hochladen und die von anderen sehen konnten.“

In Sachen Berufsorientierung, für die der Projektkurs eine zentrale Rolle spielt, muss nun umgedacht werden. „Wir versuchen uns an den zur Verfügung gestellten Vorgaben der Universitäten zu orientieren. Inwiefern Beratungsgespräche stattfinden können, ist noch nicht klar.“ Die alljährliche Ausstellung des Kurses musste ausfallen. „Wir haben dafür eine digitale Ausstellung erstellt“, erzählt sie. Das sei nicht dasselbe.

Auffallend sei zudem, dass digitale Arbeitsweisen wie Fotografie oder das Zeichnen auf dem Tablet zunehmend beliebter werden und damit auch neue Wege der Kunstvermittlung aufweisen. „Man wird auch ein wenig gezwungen, damit zu arbeiten“, stellt Dagmar Krüger fest.

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