Kunststoff-Institut im Kampf gegen Keime

Diplom-Ingenieur Michael Tesch (l.), Bereichsleiter Werkstofftechnik / Neue Materialien, und sein Mitarbeiter Sebastian Meyer an einer Spritzgießmaschine, mit der Versuchsreihen zum Thema „Antibakterielle Oberflächen“ durchgeführt werden.

LÜDENSCHEID ▪ Das Kunststoff-Institut setzt seinen Kampf gegen Keime auf Kunststoffoberflächen fort: Ab Februar soll das Firmenverbundprojekt „Antibakterielle Oberflächen“ in die zweite Runde gehen.

„Es gibt noch genug offene Fragen“, erklären Diplom-Ingenieur Michael Tesch und sein Mitarbeiter Sebastian Meyer. Schon die Fortsetzung macht deutlich, dass die erste Runde des Projektes sehr erfolgreich verlaufen ist. 14 Firmen waren neben dem Kunststoff-Institut daran beteiligt, „sehr heterogene Projektteilnehmer“, wie Michael Tesch berichtet. Für einige Firmen gilt dabei sogar: „Wir bringen direkte Konkurrenten an einen Tisch.“ Ein Riese wie „GlaxoSmithKline“ ist mit dabei, der bereits antibakterielle Zahnbürsten vertreibt (Dr. Best), das Institut Fresenius, das „zu den führenden Anbietern für nicht-medizinische Laboranalytik in Europa gehört“, die Firma Hewi (Waldeck), Spezialist für Türgriffe, Beschläge und barrierefreie Sanitäranlagen. Die Schweizer Firma Berlac stellt „anspruchsvolle Spezial- und Effektlacke für Uhren, Brillen und design-orientierten Industrie“ her.

Grundlage antibakterieller Oberflächen sind vor allem Silber und Kupfer. Letzteres setzt auch die Firma Berker als wirksamen Keim-Killer einer Schalter-Serie ein. Es hat gegenüber Silber den Vorteil, dass der menschliche Körper es nach Aufnahme auch wieder ausscheiden kann. In Testreihen, der „Fleißarbeit“ des Institutes, wird geklärt, wie sich Metallpartikel in Kunststoffe einarbeiten lassen und welche Auswirkungen welche Konzentration auf die Materialeigenschaften der unterschiedlichen Träger-Kunststoffe hat. „Wie verändert der antibakterielle Wirkstoff die Materialeigenschaften und umgekehrt?“, lautet die Frage. In den Testreihen wird mittels eines einfachen Prüfmittels die bakterientötende Wirksamkeit der unterschiedlich konzentrierten Beimischungen geprüft. Sebastian Meyer warnt im Hinblick auf den zukünftigen Einsatz allerdings vor einem gefährlichen Irrtum: „Die Hygienemaßnahmen dürfen nicht außer Kraft gesetzt werden. Es wäre ein Problem, wenn alle sich in Sicherheit wiegen würden.“

„Wir sind richtig groß geworden“, freut sich Michael Tesch über das Wachstum des Kunststoff-Instituts, das derzeit 14 thematische Verbundprojekte mit 230 teilnehmenden Firmen betreut. Zielmarke der GmbH ist ein Umsatz von fünf Millionen Euro im Jahr 2011. Das An-Institut der Fachhochschule Südwestfalen sei ein attraktiver Forschungsort für Studenten anderer Hochschulen aus der gesamten Bundesrepublik, von denen viele hier ihre Abschlussarbeiten anfertigen. Einigen von ihnen kann das Institut sogar eine berufliche Zukunft bieten: Acht neue Mitarbeiter wurden 2010 eingestellt, weitere sieben Ingenieure werden gesucht. Doch auch andere Fachrichtungen haben eine Chance: „Wir nehmen auch Chemiker“, sagt Michael Tesch und berichtet, dass jüngst ein promovierter Physiker eingestellt wurde. ▪ thk

Das Kunststoff-Institut veranstaltet am 23. November von 8.30 bis 18 Uhr seinen „4. Werkstofftag“. Die Teilnahme an den 13 Fachvorträgen kostet 480 Euro pro Person (Tel. 0 23 51/1 06 41 92).

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare