Folkfestival im Kulturhaus

Transatlantische Begegnungen

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Eric Bibb begeisterte die Fans im voll besetzten Theatersaal.

Lüdenscheid - Ein Festival mit transatlantischer Prägung: So viel Folkpack an einem Abend gab es noch nie. Für den städtischen Geburtstag, aber auch zum 20. Konzertjubiläum unter dem Namen Folkpack hatte der Initiator der Veranstaltungsreihe, Markus Scheidtweiler vom Kulturverein Kalle, mit dem Folkfestival am Samstag im Kulturhaus ein hochklassiges Programm mit einem Umfang von satten fünfeinhalb Stunden zusammengestellt.

Die beiden Hauptacts, der Folk- und Roots-Spezialist Eric Bibb sowie die schottische Musikerin Julie Fowlis, die einem Millionenpublikum vor allem durch ihre Musik zum Animationsfilm „Merida“ bekannt ist, zogen einmal mehr viele Fans aus ganz Deutschland an und sorgten für einen ausverkauften Theatersaal. Geboten wurde zusätzlich ein hörenswertes Support-Programm im unteren und oberen Foyer freuen. Die ankommenden Folk-Fans wurden durch Volker Becker begrüßt, der sich deutschen Volksliedern und Volksballaden widmete.

Leider war es für den Musiker nicht einfach, gegen den hohen Geräuschpegel anzusingen. Schade war zudem, dass parallel im oberen Foyer die beiden Musiker Deniz Kutlu (Gesang, Baglama) und Tlako Mokgadi (Gesang, Gitarre) mit kurdischer und südafrikanischer Weltmusik aufspielten, was kaum einer wusste. Im oberen Foyer fand sich erst sehr spät eine größere Menschenmenge ein, die durch Zufall entdeckt hatte, dass hier der zweite Support zeitgleich zu sehen war.

Die Fans waren aus ganz Deutschland zum Folkfestival nach Lüdenscheid gereist.

Im Theatersaal machte schließlich Eric Bibb (Gesang, Gitarre) den Anfang, der ebenso wie Julie Fowlis schon einmal Gast beim Kalle- Folkpack war. Nachdem er seinen Gig mit einem seelenvollen Blues eröffnet hatte, begrüßte er den schwedischen E-Gitarristen Staffan Astner auf der Bühne, der ihn bei den meisten seiner Stücke begleiten sollte und dessen elektrisierende Gitarrensoli nicht nur einmal für Staunen und anerkennenden Applaus beim Publikum sorgten.

Folkpack-Nacht anlässlich des Lüdenscheider Stadtjubiläums

Bei „Silver Spoon“, dem ersten gemeinsamen Song mit Astner an diesem Abend, in dem Eric Bibb sein Leben und seine Leidenschaft zur Musik thematisiert, streikte zunächst Astners Verstärker, doch dessen Austausch ging reibungslos über die Bühne und die Musiker nahmen es mit Humor („Das nennt man unplugged!“). 

Hochklassiges Programm

Nicht nur in diesem Blues-Song überzeugten die beiden durch ihr harmonisches Zusammenspiel, bei dem Bibbs Akustik-Gitarre und Astners E-Gitarre wie die Zahnräder einer Maschine ineinandergriffen und der Blues-Zug ordentlich Fahrt aufnahm. Dass die beiden auch einen Country-Song zum Besten geben können, bewiesen sie bei „Going Down The Road Feeling Bad“, den sie mit einer eleganten Lässigkeit interpretierten, während die Finger der beiden Gitarristen fast beiläufig über die Saiten ihrer Instrumente flogen.

Natürlich hatte das Publikum immer wieder die Möglichkeit, mitzusingen, zum Beispiel beim eingängigen Refrain von „Needed Time“. Hierzu die Aufforderung von Eric Bibb: „When you feel it, sing it!“ Nachdem der US-Amerikaner auch im Rahmen eines A-Capella-Stückes mit seiner variantenreichen Stimme sein Publikum begeistert hatte, kam schon einmal Julie Fowlis auf die Bühne und gab beim Song „Morning Train“ einen Vorgeschmack darauf, was die Zuhörer nach der Pause erwartete.

Nachdem Winfried Lütge-Dartmann, Vorstandsmitglied im Kulturverein Kalle, seinen Dank an Markus Scheidtweiler für sein erfolgreiches Engagement ausgesprochen hatte, trat Fowlis zum ersten Mal mit ihrer Band in Lüdenscheid auf. Da Fowlis, die aus den Äußeren Hebriden im Norden Schottlands stammt, als Botschafterin der gälischen Kultur unterwegs ist, singt die Künstlerin ähnlich der irischen Musikerin Enya ihre Songs überwiegend in gälischer Sprache.

Bereits beim Eröffnungsstück ihres Gigs an diesem Abend „Hùg Air A’ Bhonaid Mhòir“, das den Beginn ihrer Karriere markiert, ist dies der Fall.

Lieder in gälischer Sprache

Nahezu alle anderen gespielten Titel stammten von ihrem aktuellen Album „alterum“, das lediglich ein vollständig in englischer Sprache gesungenes Stück enthält. Auch den Song „Blackbird“ der Beatles konnte man überwiegend in gälischer Sprache erleben – sicher eine besondere Hörerfahrung. Über den gesamten Abend hinweg wurde Julie Fowlis nicht müde, ihren Zuhörern die für viele sicher eigentümlich anmutende Gälische Sprache auch zum Mitsingen näher zu bringen, wobei sich die Fans zumindest redlich bemühten, mitzuziehen.

Eine besondere Mischung stellte schließlich das Lied „Camariñas“ dar, eine Ballade, die von Fowlis in galicischer und gälischer Sprache gesungen wurde. Am Ende des Konzertes revanchierten sich Bibb und Astner für den Gastauftritt von Julie Fowlis – zwei Songs gaben alle Musiker gemeinsam zum Besten. Nach frenetischem Beifall und stehenden Ovationen legte Fowlis schließlich noch ein a capella gesungenes Lied als Zugabe nach – natürlich in gälischer Sprache.

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