Plätze, Rechte und Kartenverkauf

Kulturhaus spürt Domino-Effekt: Keine einfachen Lösungen in der Corona-Krise

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Das am stärksten betroffene Kulturhaus steht im Mittelpunkt der vereinten Bemühungen, die Folgen für die Kulturbetriebe nach Möglichkeit abzufedern. Auswirkungen werden bis weit in die übernächste Spielzeit hinein befürchtet.

Lüdenscheid - „Wie geht es eigentlich weiter?“ Diese Frage stellte Beigeordneter Thomas Ruschin im jüngsten Kulturausschuss angesichts der dramatischen Folgen, die die Corona-Pandemie auf den Betrieb des Hauses bis weit in die übernächste Spielzeit hinein haben dürfte.

Einen Eindruck davon gaben die eindringlichen Schilderungen von Thomas Biedebach. Der Technische Leiter des Kulturhauses hat aufgezeigt, welche Abhängigkeiten bestehen, und warum es keine einfachen Lösungen gibt. „Ich denke, keine der kulturellen Einrichtungen hat so leiden müssen wie das Kulturhaus“, zeigte sich Vorsitzender Norbert Adam überzeugt.

„Das macht diese Einrichtung so anders – weil man lange vorausplanen muss“, sagte Ruschin. Eine Aussage, die Thomas Biedebach untermauerte und so einen Dominoeffekt deutlich machte. So habe ein Einzelkünstler gesagt, eine Verschiebung nutze ihm nichts: „Wenn ich dieses Jahr keine Auftritte mehr habe, gibt’s mich nächstes Jahr nicht mehr.“

Tourneetheater könnten ein Stück, für das die Karten bereits verkauft seien, nicht einfach auf die nächste Spielzeit verschieben: „Manche Theater haben die Rechte an dem Stück im nächsten Jahr nicht mehr.“ Oder die Verringerung der Plätze: „Wenn wir 400 Tickets verkauft haben und 200 dürfen rein – wie wollen wir das machen?“ Zwei Aufführungen zum Preis von einer? Nicht wirtschaftlich. Was große Tourneetheater gerade noch stemmen könnten, sei für andere das Ende: „Es gibt freie Künstler, die von heute auf morgen vor dem Nichts standen.“

Kulturhaus Lüdenscheid: Probleme durch Corona-Krise

Thomas Biedebach sagte auch ein Wort zu den Abonnenten: Sehr viele reagierten verständnisvoll. Doch es gebe auch Telefonate, in denen es nur um den Erhalt der gewohnten Plätze gehe. Das zu garantieren, sei angesichts der geforderten Abstände nicht möglich: „Es wird nicht ohne Blessuren abgehen. Wir versuchen es, aber es wird uns nicht immer gelingen.“

Das, so scheint’s, ist aber noch eines der geringeren Probleme angesichts der anderen Blessuren, unter denen die Einrichtung leidet. Kunden überhaupt wieder ins Kulturhaus zu bringen, dürfte harte Arbeit werden, glaubt auch Thomas Ruschin: „Die Gesellschaft wird sich verändern. Die Menschen werden ihr Nutzungsverhalten, ihre Gewohnheiten verändern.“

Fabian Ferber (SPD) wies auf die Rolle des Kulturhauses als Versammlungsstätte hin, „wo auch Demokratie stattfindet“: „Wie kriegen wir es hin, dass das auch nach Corona möglich ist?“ Dass Kultur im gerade verkündeten Milliarden-Hilfspaket berücksichtigt wird, könnte eine Perspektive sein. Denn ohne Berlin, das war schon im Kulturausschuss Konsens, drohe ansonsten ein Verteilungskampf.

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