Wortfindungamts auf dem Rathausplatz

Diese Stadt sucht nach Worten

Wunderkammer Wortfindungsamt Sandmann
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Das „Wortfindungsamt“ ist mit Hilfe des Wunderkammer-Teams auf dem Rathausplatz angekommen.

Hamburg hat eine Menge neuer Worte, Hildesheim auch, Hannover erst recht – und bald weht auch durch Lüdenscheid ein frischer Wort-Wind. Sigrid Sandmann ist in der Stadt, Künstlerin, Worte-affin. Lichtrouten-Besucher erinnern sich an die Illumination des alten Amtshauses mit Worten von Sigrid Sandmann.

Lüdenscheid - Seit Donnerstag steht das „Wortfindungsamt“ in Form eines pinkfarbenen Bauwagens plakativ auf dem Rathausplatz. Gestern öffnete das „Amt“. Hier gibt's Worte, gefunden von Lüdenscheidern, gedruckt von Sigrid Sandmann. Ob privat für die Kellerbar oder – und das ist der Künstlerin die liebste Variante – sichtbar angebracht im Stadtraum. Jeder, der möchte, kann auf einer Karte sein Wunschwort im „Wortfindungsamt“ abgeben. Sigrid Sandmann sorgt dafür, dass die Worte auf Kunststoff gedruckt werden, abholen kann man sein persönliches Wort tags drauf im „Amt“.

Dafür, dass die Aktion für die Lüdenscheider kostenlos bleibt, sorgt das Team der „Wunderkammer der Zukunft“ und packte mit an, als das „Wortfindungsamt“ (bis zum 26. September) an der Hauptpost aufgestellt wurde. „Wir würden uns natürlich wünschen, dass die gedruckten Worte in der Stadt wieder auftauchen“, erklärten Uli Tütemann und Tom Groll bei der Vorstellung der Aktion. Live zu verfolgen ist sie in den nächsten Tagen unter wunderkammer-zukunft.de.

Uli Tütemann, Tom Groll (beide Wunderkammer) und die Künstlerin Sigrid Sandmann mit „überflüssigen Worten“.

Seit gut zehn Jahren zieht Sigrid Sandmann mit ihrem „Wortfindungsamt“ durch die Republik. Ihr ist jede Sprache willkommen, sagt sie, und erzählt sogleich von ihrem bisher längsten Wort: „Holzfußbodenschleifmaschinengeräteverleih. Das war ein Iraner, der wollte deutsch lernen. Er hat die Buchstaben abgemalt und mit in seinen Deutschunterricht genommen. Anhand des Wortes haben die in dem Kursus dann deutsch gelernt.“ 154 Zentimeter maß das „Wortfindungswort“.

„Die Menschen beschäftigen sich mit sich selbst, wenn sie nach einem Wort suchen“, sagt die Künstlerin, „es passiert dabei so viel.“ Lieb und recht sind ihr die vielen schönen Geschichten, das Drumherum, die Gespräche mit den großen und kleinen Besuchern in ihrem „Wortfindungsamt“. Das partizipative Kunstprojekt hat schon in vielen Städten für Aufsehen gesorgt.

 Ich hatte mal einen kleinen Jungen, der wollte dass Wort Spunk gedruckt haben.

Sigrid Sandmann

Aus den persönlichen Worten stellt die Künstlerin an ihrem zweiten „Arbeitsplatz“ in den Museen der Stadt nach Feierabend im „Wortfindungsamt“ Schilder her. Ein oder auch zwei Tage später können die Auftraggeber dann ihr gedrucktes Wort abholen. Im besten Fall findet das Schild dann einen Platz im öffentlichen Raum, noch besser, wenn der Akteur ein Foto davon macht und auf der Seite www.wortfindungsamt.de hochlädt.

Das eine oder andere lehnt die Künstlerin ab – „pornografische Worte zum Beispiel oder rassistische“. Ansonsten dürfen's auch gern Fantasieworte sein. Der Platz hinter ihrem Schreibtisch im „Wortfindungsamt“ ist zum Fulltimejob geworden.

Pademie-konform sei die Aktion allemal, „ist ja draußen. Wer rein will, da muss halt 3-G gelten. Ich hatte mal einen kleinen Jungen, der wollte dass Wort Spunk gedruckt haben. Das kommt aus der Pippi-Langstrumpf-Reihe von Astrid Lindgren.“ In dem Buch erfand Pippi den Begriff und versucht fortan, den Sinn von „Spunk“ herauszufinden. Und schon ist Sigrid Sandmann wieder bei einer anderen Geschichte aus dem „Wortfindungsamt“.

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