„Skulptur im Raum“

Hingucker: Mann mit rosa Waschmaschine in der Bahn

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Samuel Treindl mit seine Waschmaschine, die er vom Bahnhof zur Galerie schob.

Lüdenscheid - Samuel Treindl nennt sie „Die nomadisierende Waschmaschine“, allerdings nur dann, wenn sie auf der Sackkarre unterwegs ist, wie der Künstler sagt. Treindl gehört zu den Bewerbern um den Ida-Gerhardi-Preis und hat sich mit der „Skulptur im Raum“ auseinandergesetzt. In Münster studiert er Freie Kunst. Und von dort aus wanderte seine Waschmaschine einer Nomadin gleich nach Lüdenscheid.

Öffentlichkeitswirksam war die Reise der rosa Maschine auf jeden Fall: Während eines Rundgangs an der Kunstakademie in Münster stand sie an zugänglichen Stellen, die über Wasser- und Stromanschluss verfügten. Von dort aus brachte Treindl das gute Stück mit der Bahn auf einer Sackkarre Richtung Lüdenscheid.

In Hagen halfen ihm Passanten spontan, um den Zug noch zu erwischen. In Lüdenscheid angekommen, traf Treindl auf eine Frau, die den gleichen Weg in Richtung Galerie hatte und den Künstler samt seiner schweren Fracht begleitete. In der Städtischen Galerie an der Sauerfelder Straße ist das Kunstwerk nun mehr oder weniger fachmännisch angeschlossen, wenngleich wohl die Galeriebesucher ihre schmutzigen Socken darin nur theoretisch waschen

Mit Eitempera eingefärbt 

Eingefärbt ist die Maschine mit Eitempera, ein leuchtstarkes Malmittel, das bereits in der Antike und Renaissance benutzt wurde. Vor der Erfindung der Ölfarbe haben Maler hauptsächlich Eitempera verwendet. In der Geschichte der Malerei ist die Eitempera die älteste Form, die Farbpigmente mit einem Malmittel zu binden. Der dabei entstehende typische Farbgeruch wird übriges in der Galerie gelegentlich aufgefrischt. Samuel Treindl begann seine gestalterische Laufbahn mit einer kunsthandwerklichen Ausbildung zum Drechsler. Anschließend nahm er ein Werkstudium an der Akademie für Gestaltung in Münster auf, 2004 folgte das Studium an der FH Münster mit Schwerpunkt Produktdesign.

Acht Künstler stellen Werke aus

Sein in der Damentoilette der Galerie angeschlossenes Kunstwerk ziert die Einladung zu „Kunst jetzt! Der Ida-Gerhardi-Förderpreis 2019“. Der von der Sparkasse gestiftete Preis wurde an den Künstler David Semper vergeben. Acht Künstler stellen noch bis zum 15. September in verschiedenen Bereichen der Galerie einen Querschnitt ihrer Werke aus, mit denen sie sich um den Preis beworben haben: Tristan Leander Wilczek, Matthias Lars Anders, Sumi Kim, Samuel Treindl, David Semper, Inga Krüger, Felicitas Rohden und Charlotte Perrin.

„Kunst jetzt!“ gibt einen Einblick in die große Bandbreite der aktuellen Tendenzen zeitgenössischer Kunst in Nordrhein-Westfalen. Der Förderpreis wurde zum 16. Mal übergeben. Aus 144 Beiträgen wählten Prof. Dirk Löbbert, Rouven Lotz, Prof. Udo Dziersk, Ail Hwang als Preisträgerin 2016 und Dr. Susanne Conzen die acht Bewerber und den Preisträger aus. Claudia Terstappen war 1990 die erste Preisträgerin. Sie lebt und arbeitet heute erfolgreich zwischen Düsseldorf, London, Barcelona, New York und Melbourne.

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