Bodenprobe vor dem Umbau

Kritische Schadstoff-Werte im Nattenberg-Stadion - Pläne fürs Bautz 2021 ändern sich

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Das Nattenberg-Stadion in Lüdenscheid: Beim Bau Anfang der 1970er-Jahre wurde Abraum verwendet. Bodenproben ergaben nun erhöhte Schadstoffwerte. 

Lüdenscheid – Der fürs nächste Jahr geplante Umbau des Nattenberg-Stadions für Großveranstaltungen fällt aus. Eigentlich sollte bis zum Bautz-Festival 2021 alles fertig sein, doch daraus wird nichts.

Bodenproben auf der Gegengeraden des 1972 eingeweihten Stadions erhärteten den Verdacht, dass der aufgeschüttete Wall mit Schadstoffen belastet ist. Das Bodengutachten eines Ingenieurbüros liegt inzwischen vor. 

Das „ernüchternde Ergebnis“ , wie Bürgermeister Dieter Dzewas es nannte, stellte Yvonne Hayer vom Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) am Montag in der Ratssitzung im Kulturhaus vor. Beprobt wurde ein 20 Meter breiter Bereich der Gegengeraden in Höhe des Marathontors. Dort sollte der Wall durchbrochen werden, um eine befestigte Zuwegung ins Stadion zu schaffen

Mit 16 Bohrungen bis in eine Tiefe von 3,50 Meter sowie sechs Mischproben wurde die beim Stadionbau Anfang der 1970er-Jahre aufgeschüttete „Tribüne“ engmaschig kontrolliert. Das Ergebnis: „Leider ist nur ein geringer Teil der 3.600 Tonnen des verbauten Materials unbelastet“, teilte Hayer den Ratsmitgliedern mit.

Schadstoffe bei Bodenproben gefunden - Umbau des Stadions wird verschoben

In einem Teil des untersuchten Gerölls wurden unter anderem kritische Werte von Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) nachgewiesen. Pak gelten als krebserregend. Problematisch seien auch erhöhte TOC-Werte, sagte Hayer. Der TOC-Wert (englisch für total organic carbon) lässt Rückschlüsse auf die Belastung mit Fremdstoffen zu. Zudem wurden Rückstände des Schwermetalls Kupfer in dem Erdbauwerk gefunden. 

Damit steht fest, dass der geplante Umbau zunächst nicht stattfindet. Die Arbeiten, für die mit einer Dringlichkeitsentscheidung 175.000 Euro aus dem Haushalt freigemacht worden waren, werden zunächst nicht ausgeschrieben. 

Entsorgung des Bodenmaterials könnte bis zu 170.000 Euro kosten

Nach Berechnungen des mit den Planungen betrauten STL würde die Entsorgung des Bodenmaterials rund 170.000 Euro kosten. Lediglich 270 der 3.600 Tonnen seien unbelastet, 820 Tonnen müssen in jedem Fall als Sondermüll entsorgt werden. Allein dafür fallen Kosten in Höhe von rund 23.000 Euro an. 

Der überwiegende Teil ist sogenanntes Material der Schadstoffklasse Z2, das unter bestimmten Umständen auch an anderer Stelle verbaut werden darf – zum Beispiel unter versiegelten Flächen wie Parkplätzen oder unter Bodenplatten bei Gebäude. Im Fall der Entsorgung als Sondermüll würden mehr als 140.000 Euro dafür fällig. 

Das Nattenberg-Stadion ist nicht gesperrt

Lüdenscheider Stadtmarketing (LSM), die Architekten und der STL sollen nun Optionen aufzeigen, wie und wo der belastete Abraum entsorgt oder verbaut werden könnte. Die Bauherren sind nicht verpflichtet, die Gegengerade abzutragen. Das Stadion ist nicht gesperrt. Bleibt der Wall unangetastet, können die Schadstoffe im Boden verbleiben, hieß es. Es bestehe dann keine Gefahr. 

Alle Fotos vom Bautz-Festival Teil 10

Beim Bautz-Festival 2021 müssen die Planer auf eine Variante zurückgreifen, die schon bei der Premiere als Fluchtweg zum Tragen kam. Damals wurde im Nattenberg-Stadion eine temporäre Treppenanlage aufgebaut. Für diese Treppen werden nun von der Stadt 50.000 Euro bereitgehalten, die die Bautz-Veranstalter eigentlich künftig jährlich einsparen wollten - durch den Stadion-Umbau.

Erst vor einigen Wochen war ein Haus wegen giftiger Chrom-VI-Belastungen in Lüdenscheid abgerissen worden

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