Kritische Fragen bei der Falck-Vorstellung

Prof. Dr. Klaus Runggaldier stellte sein Unternehmen vor.

Lüdenscheid - Als weltweit erfolgreiches Rettungsdienst-Unternehmen, das zudem gerade jetzt Deutschland-Tarife mit der Gewerkschaft Verdi aushandelt, stellte Prof. Dr. Klaus Runggaldier, Deutschland-Chef der Falck-Gruppe, der Politik den neuen Dienstleister der Stadt an der Feuer- und Rettungswache vor.

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Im Bau- und Verkehrsausschuss, der für die Feuerwehr zuständig ist, konnten sich die Politiker ein Bild machen von dem 1906 in Dänemark gegründeten Unternehmen, das heute 26 000 Beschäftigte in 35 Ländern zählt. Neun davon sollen bekanntlich ab 1. Juli am Dukatenweg den 24-Stunden-Dienst für Krankenfahrten antreten. Dabei, sagte Runggaldier, werde sich gegenüber dem bisher von der Johanniter-Unfallhilfe erledigten Fahrdienst „fast nichts ändern“. Dies gelte auch für große Teile des Personals: „Wir gehen davon aus, dass sechs der bisherigen JUH-Fahrer unsere Uniform tragen werden.“ Für die übrigen Stellen lägen dem Unternehmen Falck Herzig mit Sitz in Hamm landesweit 200 Bewerbungen vor.

Vorbehalte äußerte der Vorsitzende des städtischen Personalrats, Josef Filippek: Ihm liege ein Arbeitsvertrag von Falck vor, in dem überlange Arbeitszeiten, eine mickrige Bezahlung, weniger Urlaub und eine Genehmigungspflicht für ehrenamtliche Tätigkeiten festgeschrieben seien. Runggaldier identifizierte diesen Vertrag sofort als einen Kontrakt aus Gelsenkirchen, der für Falck nicht repräsentativ sei: „Da ging es um eine Einsteiger-Stelle für jemanden, der überwiegend Bereitschaft hat.“ Nicht erwähnt seien zudem Zulagen oder Sonderurlaube. Die übliche Bezahlung bei Falck entspreche der jeweiligen Berufserfahrung und Qualifikation – ob für Rettungshelfer, Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten.

Bestehen müsse das Unternehmen zur eigenen und zur Absicherung des Auftraggebers allerdings auf die Genehmigungspflicht für ehrenamtliche Nebentätigkeiten: „Bei mehr als 48 Wochenstunden kommen wir sonst in Konflikt mit dem Arbeitszeitgesetz.“ Anders als von Filippek befürchtet, gehe es Falck nicht darum, Mitarbeiter, die sich ehrenamtlich etwa in Hilfsverbänden oder auf der Wache betätigen, künftig davon abzuhalten. „Als Arbeitgeber müssen wir aber wissen, welchen Umfang das hat.“

Trotz mehrfacher Aufforderung, den Passus einfach zu streichen, blieb Runggaldier dabei. Dies sei eine grundsätzliche Frage, auch für ein gutes Qualitätsmanagement.

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