Kritik an Volme-Renaturierung: Umweltschützer sieht „Kahlschlag“

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Zwischen der Ahelle und Brügge wird sich das Gesicht der Volme künftig verändern. Auch die alte Steinbrücke auf Höhe der Aral-Tankstelle soll weichen. Dort ist eine neue Betonbrücke geplant – als Zufahrt für das angepeilte Gewerbegebiet.

Lüdenscheid - Was ist Natur? Und wie kann eine durch menschliche Eingriffe entstellte Flusslandschaft wieder natürlicher werden? Darüber gehen die Meinungen mitunter krass auseinander. Das gilt auch für die geplante Renaturierung der Volme zwischen der Ahelle und Brügge (wir berichteten). Von einem Einvernehmen zwischen der Stadt und zumindest einigen Naturschützern kann dabei weiter keine Rede sein.

Zur Erinnerung: Die Stadt plant für besagten Volme-Abschnitt eine Renaturierung – mit Aufweitung des Flussbetts, Entfernung alter Metallteile und der Platzierung von Steinen im Flusslauf. Zum Auftakt der Maßnahme soll indes das Gros der am Fluss befindlichen Bäume „abgeräumt werden.“ So die Formulierung von Hans Jürgen Badziura vom städtischen Fachdienst Umweltschutz. Mehrere hundert Gehölze im Alter bis zu 50 Jahren dürften dabei fallen.

Badziura und seine Amtskollegen halten die Abholzung im Sinne der Renaturierung für nötig. Gleichzeitig würde das Verschwinden der Bäume künftig den Blick auf das geplante Gewerbegebiet auf dem alten Bahngelände freigeben. Ihr Vorgehen sieht die Stadt mit Naturschutzverbänden abgestimmt.

Doch es gibt auch Skepsis und Ablehnung. Da ist etwa Manfred Künsting, rühriger Brügger Naturschützer und Aktiver der Nabu-Ortsgruppe mittleres Volmetal. Er ist mit dem städtischen Vorhaben in dieser Form alles andere als einverstanden, hat ein Alternativ-Konzept erarbeitet und führt mit den zuständigen Behörden einen regen Briefwechsel. Künsting fürchtet eine negative Klimabilanz sowie die Zerstörung von Vogelbrutplätzen und einer grünen Lunge, die bis dato vor Lärm und Abgasen des Autoverkehrs auf der B 54 schütze. Seine Worte: „Das ist ist ein radikaler Kahlschlag. Der Verlust an Laubwald würde bis zu zwei Hektar betragen.“

Dabei wäre es laut Künsting bei „gutem Willen“ möglich, den Großteil der Gehölze zu retten: „Eigentlich müssten nur 20 bis 25 Prozent der Bäume entfernt oder umgepflanzt werden.“ Außerdem fordert Künsting den Erhalt von Nistfelsen sowie den Schutz bisheriger und die Anlegung neuer Grünzonen am Ufer: „Ein solcher Flussverlauf wäre auch der beste Hochwasserschutz.“

Die Stadt will mit dem Projekt in den nächsten Tagen starten. Aufgeben kommt für Künsting dennoch nicht in Frage: „Zum Beginn der Arbeiten plane ich eine Demo.“ - dt

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