Fahrer wohl schuldlos

Nach Busunfall: Kritik an MVG-Werkstatt

Lüdenscheid - Grobe Fahrlässigkeit des Busfahrers oder doch „nur“ technischer Defekt – die Suche nach der Ursache des Unfalls, bei dem an Heiligabend auf dem Sauerfeld ein Sachschaden von mindestens 50 000 Euro entstanden war, zeigt einen ersten Trend auf.

Von Olaf Moos

Vermutlich, sagt MVG-Sprecher Jochen Sulies, habe der Fahrer „doch alles richtig gemacht“. Gleichzeitig wird Kritik an der MVG-Technik laut.

Entgegen ersten Vermutungen hätten sich einige Verdachtsmomente „zugunsten des Fahrers relativiert“, so Sulies. Aber erst in der kommenden Woche wollen die Fachabteilungen der MVG ihre endgültige Bewertung abgeben. Immer noch sind entscheidende Fragen offen.

Lesen Sie auch:

- Bus-Unfall am Sauerfeld: Ursachenforschung läuft

- Linienbus macht sich selbstständig

So gilt als ungeklärt, ob und mit welchen Bremsen der 23-Jährige den Bus am Sauerfeld gesichert hat – und ob er möglicherweise gegen Vorschriften verstoßen hat. Nach LN-Informationen darf der Fahrer den Wagen nicht verlassen, wenn er nur die Haltestellenbremse betätigt hat. Aber auch eine technische Ursache ist MVG-intern noch nicht ausgeschlossen. Jochen Sulies: „Ein Defekt kann natürlich auch direkt nach einer Wartung auftreten.“ Eventuell stehe noch eine technische Überprüfung bevor.

Dass in der MVG-Werkstatt mangelhaft gearbeitet wird, hält Peter Ernst für „wahrscheinlich“. Der Lüdenscheider, früher zehn Jahre als 1. Vorsitzender des Bürgerbus-Vereins Nachrodt-Wiblingwerde aktiv, hat mit dem Nahverkehrsunternehmen seine eigenen Erfahrungen gemacht. „Am 25. Februar 2005 war unser Bus in der MVG-Werkstatt, und dabei wurde auch die Baugruppe Bremsen gecheckt.“ Knapp dreieinhalb Monate später sei das „total verrostete Handbremsseil“ gerissen und der Bus habe sich von einer Haltestelle aus auf einer Gefällstrecke von zwölf Prozent selbstständig gemacht.

In einem anderen Fall, berichtet Peter Ernst, habe die MVG dem Bürgerbus-Verein ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt, weil der eigene Bus repariert werden musste. „Und als wir den Wagen auf dem MVG-Hof abholen wollten, mussten wir feststellen, dass er keine gültige Tüv-Plakette hatte.“

Erst wenn die Ursache des Sauerfeld-Unfalls genau ermittelt ist, sollen laut MVG-Sprecher Sulies „personalrechtliche Konsequenzen“ diskutiert werden. Klar sei aber, dass der 23 Jahre junge Fahrer den Schaden wohl nicht aus eigener Tasche begleichen muss. Wie Sulies im LN-Gespräch sagte, gebe es eine „sogenannte Idiotenversicherung“, die „wirklich jeden Eventualfall abdeckt“.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare