Hoffnung bei Museen

Harsche Kritik aus der Gastronomie im MK: „Sind maximalst enttäuscht“

gastronomie
+
Der Handel und die Gastronomie sind vom Corona-Lockdown in NRW stark betroffen.

Die Verlängerung des Lockdown und zugleich die behutsame Öffnung der Grundschulen führt zu unterschiedlichen Reaktionen. Wir geben einen Überblick.

Gespannt wurde der Erlass über die schrittweise Öffnung der Grundschulen ab dem 22. Februar auch an der Tinsberger Schule erwartet. Die jüngste Mail des Ministeriums von Donnerstag lasse den Schulen Freiheiten, um die jeweiligen räumlichen, personellen und schülerspezifischen Gegebenheiten bei der Umsetzung zu berücksichtigen. „Wir haben uns mehrere Möglichkeiten überlegt und werden diese in der Lehrerkonferenz und anschließend in der Schulkonferenz diskutieren“, sagt Schulleiterin Tadi Ortolf.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

Zu Beginn der kommenden Woche könne sie konkrete Aussagen über die Umsetzung an ihrer Schule machen. „Wir freuen uns natürlich, wenn wir alle Kinder bald wieder persönlich sehen und die Eltern dadurch auch entlasten können“, erläuterte Ortolf weiter. Auf der anderen Seite wäre es aber auch möglich gewesen, den Distanzunterricht noch zwei Wochen weiterzuführen. „Denn jetzt läuft es gerade“, verweist sie darauf, dass sich nach einem erheblichen Mehraufwand für die Lehrer nun alles eingespielt habe. „Es funktioniert.“

Harsche Kritik aus der Gastronomie im MK: Stern-Center setzt auf Prinzip Hoffnung

Ähnlich sieht es auch Bettina Göldner, Schulleiterin der Grundschule Wehberg. „Auch wir könnten noch eine Weile so weitermachen“, verweist sie zum einen darauf, dass es für die meisten gut laufe und man in Bezug auf den Stoff da stehe, wo man sollte. Zum anderen würden durch die Bezuschussungen digitaler Endgeräte nun auch die Chancen für jene erhöht, die bislang noch nicht optimal teilhaben konnten. Aber auch Göldner betont: „Der Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen und macht unsere Arbeit aus. Alle freuen sich, wenn wieder ein wenig Normalität einkehrt.“

Für Stern-Center-Manager Daniel Dalsasso gilt das Prinzip Hoffnung: „Wir freuen uns auf den 8. März.“ Oder darauf, dass der Inzidenzwert vorher auf unter 35 sinkt – dann könne man theoretisch auch öffnen, interpretiert er die Vorgaben. Eine realistische Chance auf ein Ostergeschäft – „das wäre schön“. Andererseits: Wenn zu früh geöffnet werde, drohe die dritte Welle, der nächste Lockdown. Dalsasso ist hin- und hergerissen zwischen den „sicher sinnvollen“ Maßnahmen, die aber nur eine Seite der Medaille zeigten. Die andere: die Nöte der Händler und Gastronomen, die nun „wieder keine Umsätze machen“ könnten.

Harsche Kritik aus der Gastronomie im MK: Museum freut sich auf baldige Gäste

Dankbar zeigt er sich, „dass wir Bereiche wie Müller öffnen können“. Das sei für die Versorgung wichtig und bringe etwas Frequenz. Zudem zählt er 16 Shops, die das Click+Collect-Konzept umsetzten, sei es, dass Kunden Ware im Schaufenster sähen und per Anruf einen Abholtermin vereinbarten, sei es, dass Ware online bestellt und abgeholt werde. Aber: „Das Einkaufserlebnis fehlt.“ Seine Rolle als Center-Manager hat sich völlig verändert. Er, der eine möglichst hohe Aufenthaltsqualität bieten solle, müsse nun höchstmögliche Sicherheit gewährleisten – und unnötigen Aufenthalt untersagen. „Ich bin auch Gastgeber, aber ich darf kein guter sein“, sagt er, der täglich vor Ort ist. Er verschiebt Veranstaltungen, plant um, führt Gespräche, macht Mut: „Wir kommen da durch.“

„Wir könnten sofort aufschließen – aber wir müssten ein bisschen mehr heizen“, sagt Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen mit einem Augenzwinkern. Bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner sollen Museen wieder öffnen. „Wir freuen uns auf unsere Gäste, so viel kann ich sagen. Ich denke, dass wir das unseren starken Verbänden zu verdanken haben“, sagt Museumsleiter Dr. Eckhard Trox. Natürlich hätten auch nach einer Öffnung Regeln wie die Anzahl der Personen Bestand: „Da unterscheiden wir uns in keiner Weise von einem kleinen Supermarkt.“ Zum Eröffnungstag selbst plant das Museumsteam eine kleine Präsentation, die sich mit einem Pandemie-Geschehen beschäftigt: „Das ist ja in Lüdenscheid nicht das erste Mal. Wir wollen dem Geschehen eine historische Dimension geben.“

In der benachbarten Galerie freut man sich darauf, die Ausstellungen „Malerei 20“ und die Werke der aktuellen MKK-Stipendiation Linda Lebeck zeigen zu können.

Harsche Kritik aus der Gastronomie im MK: Frust und Verzweiflung in der Gastronomieszene

„Wir sind maximalst enttäuscht über dieses Nicht-Ergebnis“, sagte Lars Martin, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) für die Region. Frustriert von dem „Rumgeeier, das wir gerade wieder sehen“, fasste er für seine Branche zusammen: „Das ist nicht alternativlos, sondern perspektivlos.“ Die Dehoga habe der Politik einen Vier-Stufen-Plan für Öffnung von Betrieben je nach Inzidenzwert-Stand gegeben – zum Beispiel ab Stufe 1 (bei einer 7-Tage-Inzidenz von 75 und kleiner) die Öffnung der Beherbergung und Außengastronomie. Sinken die Zahlen, steigt demzufolge die Anzahl der Betriebe, die öffnen dürfen sollen.

Doch das finde kein Gehör, stellt Martin fest. All das sei extrem enttäuschend und belastend für die Unternehmer und ihre Mitarbeiter. Die finanzielle Unsicherheit sei sehr groß, erst 75 Prozent der November/Dezember-Hilfen seien ausgezahlt. Martin: „Das hat viel zu lange gedauert und dauert immer noch an.“ Nun also die Überbrückungshilfe III: „Wir hoffen das Beste, rechnen aber mit dem Schlimmsten.“ Gastronomen fragten sich: „Wann kommt das Geld und dürfen wir es behalten?“ Die nächste Welle sei eine Insolvenzwelle: „Die schieben wir vor uns her. Viele haben den letzten Euro zusammengekratzt, sich Geld geliehen. Die großen Probleme kommen, wenn sie merken: ‘Ich kann das gar nicht wieder erwirtschaften’.“

Zum Frust und der Verzweiflung angesichts der schieren Existenzangst vieler Betriebe kommt das Unverständnis. „Ich verstehe die Systematik nicht, die dahinter steckt“, sagt Martin. Warum Frisöre öffnen dürften, andere aber nicht: „Da wird viel mit zweierlei Maß gemessen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare