Kris Drever singt im Kulturhaus

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Kris Drever (rechts) und Ian Carr gaben ein umjubeltes Konzert im Kulturhaus.

Lüdenscheid - Mit „Standing Ovations“ verabschiedeten sich die Folkfans im Kulturhaus von Kris Drever und Ian Carr. Und die Gitarristen ließen sich nicht lumpen und legten noch drei Folksongs obendrauf.

Es war ein bemerkenswerter Abend, an dem die beiden Musiker die Klänge ihrer Gitarren wunderbar virtuos ineinander fließen ließen. Dazu kam Kris Drevers warme Stimme mit ihrem schottischen Akzent, die nachvollziehbar machte, warum er die Auszeichnung als „Folksinger of the Year 2017“ bekam. Schon Kris Drevers Geburtsort weckt Bilder von einem schönen Außenposten Europas im Atlantik: eine der Orkneyinseln.

Mittlerweile lebt er auf den benachbarten Shetlandinseln, schaut von dort auf seine Wahlheimat und die Welt und schreibt Lieder. Im Kulturhaus präsentierte er eine Mischung aus eigenen neuen Kompositionen und älteren Stücken.

Der in Wales als Sohn von Engländern geborene Ian Carr beschränkte sich dabei zumeist auf virtuose Gitarrenbegleitung und sang nur wenig - begleitend oder quasi als Mini-Chor. Kris Drever sang Lieder von „silence and darkness“, Lieder auf Edinburgh, auf seine Inseln und das Leben, das bekanntlich ein langer und nicht immer ruhiger Fluss ist: „You can never set foot in the same river twice.“

Dazu gab es ergänzende Geschichten wie jene über das Feuer-Festival auf den Shetland-Inseln, bei dem sich die mit Fackeln bewaffneten Insulaner als Wikinger verkleiden. Frauen sind dabei nicht zugelassen. Als eine Gruppe von Frauen 2015 dennoch versuchte, in diese Männerdomäne einzubrechen, wurde sie rüde abgewiesen.

„Shit!“, lautete Kris Drevers Kommentar. Und dennoch: „Die Shetlandinseln sind wunderbar“, warb der Sänger und machte in einem seiner Songs dennoch eine klare Ansage: „I don’t want to die here!“ Eine weitere Geschichte und ein Song, den die BBC 100 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs in Auftrag gaben, erinnerte an die letzten Fahrten der „Baden“, der „Bayern“, der „Friedrich der Große“ und der „großer Kurfürst“ zu den Orkneyinseln, wo die deutschen Besatzungen am 21. Juni 1919 zahlreiche deutsche Kriegsschiffe in der Bucht von Scapa Flow versenkten.

Für den langen Beifall bedankten sich die beiden Musiker mit einem ebenso herzlichen Dank an das „wunderbare Publikum“ und an Markus Scheidtweiler und das Team des „Folkpack“, die dieses schöne Konzert möglich gemacht hatten. In einem Gespräch nach dem Konzert zeigte sich Kris Drever als entschiedener Gegner des Brexit und plädierte für eine Abspaltung Schottlands von England. Die Chancen dafür schätzte er als gut ein. Doch genau deshalb würden die Engländer ein entsprechendes Referendum wohl kaum noch einmal zulassen.

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