Fall Vassili: „Kripo braucht Zeit und genug Personal“

Lüdenscheid - Die Verurteilung „Vassilis“ zu zehneinhalb Jahren Gefängnis ist noch nicht rechtskräftig. Aber für die Ermittler, die lange hinter dem heute 29-Jährigen her waren, ist der Fall abgeschlossen.

Von Olaf Moos

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert.

Die LN-Redaktion spricht mit Kriminalhauptkommissar F. Dudzik (50). Er ist der Fahnder, der mit seinem Team alle Indizien des Falls zusammengetragen und letztlich die Festnahme des gesuchten Verbrechers in Griechenland organisiert hat.

Der Aufwand war beträchtlich. Es waren wochenlange Vernehmungen aller Opfer und auch mittelbar betroffener Zeugen aus Banken, Handy-Shops oder Geschäften nötig.

Die Prüfung, ob die überaus belastenden Angaben einer jungen Geschädigten stimmig sind, umfasste auch die Durchsuchung der Täterwohnung und führte schließlich zur Inhaftierung des vor einem Jahr bereits verurteilten Komplizen. Am Tag seiner Vorführung beim Haftrichter setzte sich „Vassili“ nach Thessaloniki ab.

Dudzik: „Um in einem solch komplexen Fall alle Angaben im Sinne der Staatsanwaltschaft sachgerecht und professionell beurteilen zu können, braucht die Kripo Zeit – und eine gute Personalausstattung.“ Der Fahnder gehörte schon der Ermittlungskommission „Opa“ (Bankräuberbande im Seniorenalter) oder der Ermittlungsgruppe „Vlad“ (rumänische Einbrecher, die Gullydeckel in Schaufenster warfen) an. Ähnlich intensiv kümmerte er sich auch um den griechischen Erpresser – bis zu dessen Aufenthaltsbestimmung durch Zielfahnder, dem europäischen Haftbefehl, seiner Festnahme und der Auslieferung.

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Angesichts anderer Fälle wird aber deutlich, dass spektakuläre Ermittlungserfolge wie der gegen „Vassili“ keine Selbstverständlichkeit sind. So ist Dudzik auch in die Suche nach dem sogenannten Aldi-Räuber eingebunden, dem sechs Überfälle angelastet werden.

„Wir haben – auch durch einen Beitrag in der Sendung ‘Aktenzeichen XY’ im April – den öffentlichen Druck auf den Täter derart erhöht, dass er aufgeschreckt ist und seither nichts mehr macht.“

Das sei „ein Teilerfolg, aber nicht befriedigend“, so der Fahnder. Ziel bleibe es, dass der Aldi-Räuber sich schließlich strafrechtlich für seine Verbrechen verantworten muss.

Nach der Verurteilung des Lüdenscheiders in der vergangenen Woche empfindet der Hauptkommissar „persönlich keine Genugtuung“, wie er sagt – „wenn auch das Leid vor allem der Hauptbelastungszeugin offensichtlich ist“.

Der „Sachbearbeiter Raub“ bei der Lüdenscheider Kripo weist auf die vorhandene „Kriminalitätsdichte durch Banden“ hin. Gerade in der dunklen Jahreszeit, in der mehr Raubüberfälle als sonst verübt werden, sei die Polizei auf schnelle und möglichst konkrete Hinweise auf verdächtige Personen oder Fahrzeuge angewiesen. Dudzik: „Jeder dritte oder vierte Raubüberfall wird durch Hinweise aus der Öffentlichkeit aufgeklärt.“

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