Kriminelle trainieren an EC-Lesegerät

Die Polizei fragt: Wer erinnert sich an diesen Mann?

LÜDENSCHEID - Erst knapp fünf Monate, nachdem zwei unbekannte Diebe aus der Esso-Tankstelle an der Heedfelder Straße den EC-Kartenleser stahlen, hat das Amtsgericht Hagen jetzt das Bild eines Täters zur Veröffentlichung freigegeben.

Wer den Mann auf dem nebenstehenden Foto erkennt, melde sich bei der Lüdenscheider Polizei unter der Rufnummer 02351/90 99 0. Einer der Täter hatte am 30. November 2009 um 22.05 Uhr die Bedienung abgelenkt, sein Komplize klemmte das EC-Cash-Gerät mit der Kneifzange ab. Im Esso-Automaten waren keine Geheimzahlen gespeichert – gestohlen wurde er laut Polizei „offenbar nur zu Trainingszwecken“. Einschlägig arbeitende Banden üben an solchen Apparaten das „Skimming“, also das Ausspähen von EC-Karten an Geldautomaten, mit denen sie dann die Girokonten der Bankkunden plündern.

Fahndungsfoto "massiver Eingriff in Persönlichkeitsrechte"

Warum den Dieben von der Heedfelder Straße für dieses Training so viel Zeit blieb, ohne dass die Polizei das vorliegende Täterfoto zur Fahndung einsetzen durfte, erklärte auf Anfrage ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hagen. Demnach ist die Veröffentlichung eines Fahndungsfotos „ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen“, folglich darf sie laut Strafprozessordnung nur eingeschränkt eingesetzt werden. Bei einem Tötungsdelikt oder schwerem Raub würden Fotos unverzüglich veröffentlicht werden, bei Bagatellen wie einfachen Ladendiebstählen niemals.

Dazwischen gibt es die große Grauzone „mittlerer Kriminalität“, bei der grundsätzlich die Einzelfallprüfung durch einen Richter erfolgt, hieß es. Im Fall Esso sei die Veröffentlichung des Fotos erst erlaubt worden, nachdem alle anderen Ermittlungsmethoden fehlgeschlagen waren, ergänzte ein Polizeisprecher.

Skimming-Banden operieren international

Während die sprichwörtlichen Mühlen der Justiz also langsam mahlen, sind die Täter fix. Skimming-Banden, vielfach aus dem südosteuropäischen Raum, operieren international und nutzen das Internet. So umgehen sie die Schutz-Mechanismen deutscher Banken gegen unbefugtes Abheben, indem sie ausgespähte Kartendaten sofort ins Ausland mailen. Kürzlich wurde der Staatsanwaltschaft aus dem heimischen Raum ein Skimming-Fall übergeben, bei dem das Geld noch am Abend des Tattages abgehoben wurde. Im Libanon. - hgm

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